Die Zahl der Menschen, die in Deutschland Schutz vor Krieg, Verfolgung, Gewalt und Hunger suchen, ist bedeutsam. Viele der Neuankommenden sind psychisch schwer belastet. Trotz dessen stoßen sie im psychosozialen Versorgungssystem auf erhebliche Zugangsbarrieren. Dies gilt sowohl für kürzlich Geflüchtete als auch für Menschen mit Migrationsgeschichte, die bereits lange in Deutschland leben.

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Der Migrationsprozess kann ein kritisches Lebensereignis darstellen und das Risiko für die Entwicklung psychischer Erkrankungen erhöhen – besonders dann, wenn die Entscheidung zur Migration nicht freiwillig getroffen werden kann. Erfahrungen, die vor oder während einer Flucht gemacht werden, bleiben oftmals nicht ohne Folgen für die psychische Gesundheit. Zusätzlich können postmigrative Stressoren in erheblichem Maße zur Destabilisierung der menschlichen Psyche beitragen. Dazu zählen mitunter die Trennung von Angehörigen, eine unsichere Bleibeperspektive, ein verglichen zu vor der Migration geringerer sozioökonomischer Status, Obdachlosigkeit, Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen sowie fremdenfeindliche Übergriffe. Folglich ist die Rate für psychische Erkrankungen bei Personen mit Migrations- und Fluchtgeschichte insgesamt erhöht: Posttraumatische Belastungsstörungen treten bei Geflüchteten z. B. bis zu zehnmal häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Darauf ist die psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung in Deutschland bisher unzureichend eingestellt.
Für ein frühzeitiges Erkennen und die Behandlung entsprechender psychischer Symptomatik benötigte es z. B. reguläre Schulungen der primären Kontaktpersonen in Erstaufnahmeeinrichtungen sowie routinemäßige Screenings von Geflüchteten bei Ankunft in Deutschland.
Der Einsatz qualifizierter Sprach- und Kulturmittlung für Diagnostik und Therapie wird derzeit u. a. aufgrund einer fehlend geregelten Kostenübernahme unterbunden. Darüber hinaus verhindern weitere rechtliche, strukturelle und kulturelle Barrieren eine bei Bedarf schnelle Anbindung an die psychiatrisch-psychotherapeutische Regelversorgung. In Folge kommt es bei psychisch erkrankten Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte zu Unter- oder Fehlversorgungen. Dies steigert nicht nur die Behandlungskosten, sondern verringert auf Seiten der Behandelten auch das Vertrauen ins Versorgungssystem, was wiederum nachweislich die Gefahr einer chronifizierten Erkrankung erhöht.
Eine Versorgung, welche die besonderen Bedürfnisse der Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte wahrnimmt und diese berücksichtigt, benötigt klare strukturelle Rahmenbedingungen: die regelhafte Übernahme von Kosten für Sprach- und Kulturmittlung sowie die Bereitstellung gestufter, bedürfnisorientierter kultur- und rassismussensibler Versorgungsangebote.
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DGPPN-Positionspapier 2023: Sicherstellung der Rechte von Schutzsuchenden im Asylverfahren [PDF, 8,8 MB]
DGPPN-Positionspapier 2016: Psychosoziale Versorgung von Flüchtlingen verbessern [PDF, 330 KB]
DGPPN-Positionspapier 2012: Perspektiven der Migrationspsychiatrie in Deutschland [PDF, 119 KB]