Psychotraumatologie

Mehr als die Hälfte aller Menschen sind im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert. In vielen Fällen sind schwere psychische Erkrankungen die Folge. Die DGPPN unterhält deshalb ein Referat, in welchem sich Fachexperten intensiv mit Traumata und deren psychischen Folgen beschäftigen.

In Deutschland sind pro Jahr rund 1,5 Millionen Erwachsene von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) betroffen. Frauen erkranken dabei häufiger als Männer, ältere Menschen tendenziell eher als jüngere. Nach einer Vergewaltigung, Gewaltverbrechen oder Folter liegt die Erkrankungsrate bei bis zu 90 Prozent. Besonders gefährdet sind Menschen, die immer wieder Grenzsituationen ausgesetzt sind: Angehörige der Polizei, Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks oder Soldaten der Bundeswehr. Zu den vulnerablen Bevölkerungsgruppen gehören auch Flüchtlinge und Asylsuchende. Doch trotz außerordentlich wirksamer Behandlungsmöglichkeiten werden Betroffene in Deutschland heute noch nicht ausreichend versorgt. Das Fachreferat „Psychotraumatologie“ der DGPPN setzt sich dafür ein, dass die Versorgungsstrukturen in Deutschland noch besser auf Traumafolgestörungen ausgerichtet werden.

Schwerpunkte
  • Organisation von Veranstaltungen und von Symposien und Weiterbildungsworkshops im Rahmen des DGPPN Kongresses
  • Entwicklung von Leitlinien und Qualitätssicherung
  • Unterstützung von multizentrischen Studien
  • Informationen zu Traumafolgestörungen
Leitlinien

Das DGPPN-Referat Psychotraumatologie war aktiv an der Erarbeitung der AWMF-Leitlinie „Posttraumatische Belastungsstörung“ beteiligt, die seit 2011 als S3-Leitlinie vorliegt. Die Leitlinie gehört seit ihrer Publikation zu den 10 am häufigsten abgerufenen Leitlinien der AWMF. Auch an der aktuellen Überarbeitung sind verschiedene Mitglieder des Referates aktiv beteiligt. zur Leitlinie

Das DGPPN-Referat Psychotraumatologie ist eingebunden in die Erarbeitung einer Leitlinie im medizinischen Kinderschutz über die AWMF: „Kindesmisshandlung, - missbrauch, -vernachlässigung unter Einbindung der Jugendhilfe und Pädagogik (Kinderschutzleitlinie)“ zur Leitlinie

Qualitätskriterien

Das Referat Psychotraumatologie berät das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zu Qualitätskriterien von Traumaambulanzen nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG).

Zertifikate
  • Das Referat orientiert sich an den Zertifikaten der mit der DGPPN kooperierenden Fachgesellschaft  Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT e. V.)
  • Mitwirkung am Curriculum Psychotraumatologie der Bundesärztekammer
Kooperationen

Enge Kooperationen mit anderen DGPPN-Referaten bestehen im Bereich Notfallpsychiatrie, Begutachtung, geschlechtsspezifische und interkulturelle Themen sowie der Kinder- und Jugenpsychiatrie.

Literatur
  • Driessen M, Frommberger U, Steuwe C, Schäfer I (2012) Traumaspezifische Diagnostik und Therapie in Psychiatrischen Institutsambulanzen in Deutschland – eine Umfrage der BDK und des Referates Psychotraumatologie der DGPPN. Psychiatrische Praxis 39:248-249
  • Schäfer I, Goldbeck L, Rosner R (2015) Wie können wirksame Ansätze zur Diagnostik und Behandlung von Traumafolgen ein Teil der Routineversorgung werden? Projekte zur Dissemination und Implementierung von Interventionen im Rahmen der BMBF-Verbünde zu Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt. Trauma und Gewalt 160-167
  • Schellong J. (2014) Akutintervention nach sexueller Gewalt. PiD – Psychotherapie im Dialog 15(01):61-63
Kontakt

Dr. med. Julia Schellong

Leiterin des Referats

Universitätsklinik TU Dresden
Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik
Fetscherstraße 74 | 01307 Dresden

Julia.Schellong@uniklinikum-dresden.de

Prof. Dr. med. Ingo Schäfer, MPH

Stellvertretender Leiter des Referats

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Martinistr. 52 | 20246 Hamburg

Telefon: 040 7410-59290
i.schaefer@uke.de

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