Forschung und Versorgung weltweit: Global Mental Health

Psychische und neurologische Erkrankungen sowie Abhängigkeitserkrankungen stellen weltweit die größte Krankheitslast dar. Etwa 450 Millionen Menschen auf der Welt leiden darunter. Fast 800.000 Menschen suizidieren sich jedes Jahr, das heißt alle 40 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch durch Suizid. Dennoch sind die Ausgaben aller Länder in den Bereichen Forschung, Ausbildung, Versorgung und zur Prävention von psychischen Erkrankungen viel zu gering. Einen besonderen Stellenwert nehmen daher internationale Projekte in den Bereichen Forschung und Versorgung ein. Die DGPPN möchte die Vernetzung zwischen den deutschen Kooperationspartnern erleichtern, um die psychiatrische Versorgung weltweit zu verbessern.

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Die WHO fordert: „Alle Menschen mit psychischen Störungen haben das Recht auf eine qualitativ hochwertige Behandlung und Betreuung durch eine entsprechende Gesundheitsversorgung. Sie sollten vor jeder Form unmenschlicher Behandlung und Diskriminierung geschützt werden.“

Die Kluft zwischen dem Behandlungsbedarf und einer angemessenen Versorgung ist jedoch weltweit sehr groß. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Pro-Kopf-Einkommen erhalten zwischen 76 % und 85 % der Menschen mit psychischen Störungen keine Behandlung ihrer Erkrankung. Die jährlichen Ausgaben für psychische Gesundheit betragen im Schnitt weniger als 2 US-Dollar pro Person. In den Ländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen sind es sogar weniger als 0,25 US-Dollar pro Person jährlich. Zum Vergleich: Das deutsche Gesundheitssystem gibt für psychische Gesundheit im Jahr etwa 500 Euro pro Person aus.

Vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Pro-Kopf-Einkommen ist die Zahl des medizinischen Personals, das für die psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung zur Verfügung steht, völlig unzureichend. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Ländern, in denen es im Durchschnitt nur einen Psychiater gibt, der 200.000 oder mehr Menschen versorgt. Andere Fachkräfte, die im Umgang mit psychosozialen Interventionen ausgebildet sind, sind noch knapper. In Deutschland gibt es für 200.000 Menschen dahingegen etwa 54 Fachärzte für psychische Erkrankungen.

Um die weltweite psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung zu verbessern  verabschiedeten die Gesundheitsminister von 194 Mitgliedstaaten der WHO, im Jahr 2013 den umfassenden Aktionsplan für psychische Gesundheit 2013-2020. In diesem wird die weltweite Ausweitung von Programmen zur Prävention, Erkennung und Behandlung von psychischen Störungen, neurologischen Erkrankungen und Abhängigkeitserkrankungen gefordert. Der sogenannte Mental Health Atlas dient in diesem Zusammenhang der regelmäßigen Kontrolle des Status quo der psychiatrisch-psychotherapeutischen Gesundheitsversorgung weltweit. Das WHO-Aktionsprogramm Mental Health Gap (mhGAP) stellt den Mitgliedsstaaten konkrete Handlungsempfehlungen zur Verringerung der Behandlungsdefizite für psychische Erkrankungen zur Verfügung.

Die aktuelle „Special Initiative for Mental Health“ der WHO (2019-2023), hat zum Ziel, bis 2023 in insgesamt 12 Ländern 100 Millionen Menschen Zugang zu psychiatrischer Gesundheitsversorgung zu verschaffen.

Vernetzung und Unterstützung

Um die psychiatrische Versorgung weltweit und insbesondere in weniger gut ausgestatteten Gesundheitssystemen zu verbessern, beteiligen sich auch viele Ärzte, Wissenschaftler und Institutionen in Deutschland an internationalen Projekten – wissen jedoch oftmals nicht voneinander. Die DGPPN möchte die Vernetzung deutscher Projekte und dadurch einen besseren internationalen Austausch zur psychiatrischen Forschung und Versorgung erleichtern, indem sie diesen Initiativen eine Plattform bietet.

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