Um die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen wirksamer, patientenorientierter und wirtschaftlich tragfähiger zu machen, fordert die DGPPN strukturelle Reformen der Versorgung. Angesichts der aktuellen Vorschläge der FinanzKommission Gesundheit, die vor allem auf kurzfristige Einsparungen zielen, darf dieses Ziel nicht aus dem Blick geraten.
Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Präsidentin der DGPPN, macht deutlich: „Wer die Finanzierung der GKV dauerhaft stabilisieren will, muss in Strukturen investieren, die die Versorgung nachweislich verbessern und Ressourcen effizient einsetzen. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage ist es verständlich, dass zunächst nach kurzfristigen Einsparmöglichkeiten gesucht wird. Diese dürfen aber die Versicherten und die Leistungserbringer nicht über die Maße belasten. Zudem dürfen nachhaltige Reformen nicht in den Hintergrund treten.“
Die Auswirkungen der Vielzahl an Vorschlägen lassen sich derzeit noch nicht abschließend bewerten. Deutlich aber ist: Einige der Empfehlungen lassen eine Verschlechterung der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen erwarten. Die Rücknahme finanzieller Anreize für Kurzzeittherapien könnte dazu führen, dass diese ressourceneffiziente Behandlung seltener angeboten wird. Ebenso problematisch ist die geplante Streichung der Refinanzierung von Tarifsteigerungen für das Klinikpersonal. Dies würde den ohnehin bestehenden Fachkräftemangel weiter verschärfen und die Krankenhäuser zusätzlich unter Druck setzen. Die Empfehlung, Ausgaben zu sparen, indem Gelder für nicht besetzte Personalstellen zurückgezahlt werden müssen, ist nachvollziehbar – eine entsprechende Absenkung des Gesamtbudgets im Folgejahr dagegen kann eine Abwärtsspirale der Versorgungsqualität zu Folge haben und wird deshalb abgelehnt
„Wenn diese Empfehlungen umgesetzt werden, schränkt das die Gestaltungsmöglichkeiten der Kliniken in einer ohnehin sehr schwierigen Lage weiter ein; darunter leiden werden letztendlich die Patientinnen und Patienten“, prognostiziert die DGPPN-Präsidentin. „Eine nachhaltige Verbesserung der Versorgung und eine stabile Finanzierung lassen sich langfristig nur durch strukturelle Reformen erreichen. Für die Psychiatrie liegen hierfür bereits konkrete Konzepte vor: Globalbudgets ausbauen, sektorübergreifende Versorgung stärken und Prävention als einen echten Reformhebel begreifen.“
Globalbudgets ermöglichen es, Versorgungsangebote flexibler am tatsächlichen Bedarf der Patientinnen und Patienten auszurichten und starre Sektorengrenzen zu überwinden. Richtig ausgestaltet können sie dazu beitragen, stationäre Aufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen und gleichzeitig ambulante Angebote am Wohnort zu stärken. Ergänzend dazu können Reformen im vertragsärztlichen Bereich – etwa die Einführung sozialpsychiatrischer multiprofessioneller Schwerpunktpraxen – dazu beitragen, Ressourcen effizienter einzusetzen.
Wer die GKV-Finanzen nachhaltig entlasten will, muss zudem Präventionsmaßnahmen stärken. Denn frühzeitige Interventionen und niedrigschwellige Hilfsangebote können Krankheitsverläufe abmildern, Chronifizierungen verhindern, und so langfristig Kosten reduzieren. DGPPN-Präsidentin Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank: „Investitionen in Früherkennung, niedrigschwellige Hilfen und Frühintervention sind keine Zusatzleistung, sondern eine Voraussetzung für eine Stabilisierung des Systems.“
Die Empfehlungen der Kommission, die Steuern auf Tabak und Alkohol zugunsten der GKV zu erhöhen, gehen aus Sicht der DGPPN auch in die richtige Richtung. Höhere Preise können problematischen Konsum und damit das Risiko für Abhängigkeitserkrankungen und deren Folgekosten reduzieren. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden: Abhängigkeitserkrankungen sind schwere Erkrankungen und der Substanzkonsum ist dann keine freie Entscheidung mehr. Deswegen ist es wichtig, dass die Steuereinnahmen gezielt in Prävention und Behandlung investiert werden und beispielsweise für die Finanzierung von Entwöhnungsprogrammen genutzt werden. Auch die vorgeschlagene Streichung von Cannabisblüten aus dem Leistungskatalog der GKV wird unterstützt, da deren therapeutischer Vorteil weiterhin unzureichend belegt ist.
Die DGPPN erwartet, dass der für Ende des Jahres angekündigte zweite Bericht der GKV-FinanzKommission den Fokus auf strukturelle Reformansätze legt und konkrete Vorschläge für eine zukunftsfähige Versorgung macht.