29.01.2019 | Pressemitteilung

Experiment Patient: scharfe Kritik am Referentenentwurf Psychotherapeutenausbildung

Der vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegte Referentenentwurf für eine Reform der
Psychotherapeutenausbildung (PsychThGAusbRefG) gefährdet in höchstem Maße die
Patientensicherheit und ist aus Sicht der DGPPN entschieden abzulehnen. Die
Verabreichung von Medikamenten muss Ärzten vorbehalten bleiben, die im Gesetz geplante
Befugnis für nicht-ärztliche Berufe schadet Menschen mit psychischen Erkrankungen. Was in
Deutschland als Garant für eine hochwertige Versorgung gilt, darf nicht von heute auf
morgen abgeschafft werden: Für Menschen mit psychischen Erkrankungen darf es keine
Parallelversorgung geben.

Mit dem aktuellen Referentenentwurf zur Psychotherapeutenausbildung unternimmt der Gesetzgeber einen Vorstoß, der von DGPPN, dem Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) und dem Bundesnetzwerk Selbsthilfe seelische Gesundheit (NetzG) scharf zurückgewiesen wird. Die Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen von der Medizin und Psychologie abzulösen und sie einer Parallelversorgung zuzuführen, bedeutet ein beispielloses Experiment und einen folgenschweren Tabubruch für das deutsche Gesundheitssystem. Dem Referentenentwurf liegt die irrige Annahme zu Grunde, dass psychische Erkrankungen ausschließlich mit Hilfe psychotherapeutischer Techniken diagnostiziert und behandelt werden
könnten. „Die ganzheitliche Sicht auf Psyche und Soma in der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen wird aufgegeben, wie auch ihre vernetzte Versorgung”, sagt Professorin Sabine Herpertz, im DGPPN-Vorstand zuständig für Aus- und Weiterbildungsfragen. Der Entwurf sieht die Etablierung von Modellstudiengängen vor, welche nicht-ärztliche Psychotherapeuten dazu ermächtigen sollen, Menschen mit psychischen Erkrankungen Medikamente zu verabreichen. Damit werden Qualitätsstandards wie ein grundlegendes Medizinstudium, klinische Erfahrungen und die bislang nur Ärzten zuerkannte Verordnung von Medikamenten ausgehebelt. „Der Referentenentwurf ist unverantwortlich“, betont DGPPN-Präsident Professor Andreas Heinz. „Jegliche Parallelversorgung außerhalb medizinischer Standards diskriminiert psychisch erkrankte Menschen und gefährdet ihre Gesundheit.“

Die DGPPN sieht aus den genannten Gründen die Patientensicherheit ernsthaft bedroht. Mit einer
Stellungnahme wendet sie sich deshalb heute an das Bundesgesundheitsministerium und fordert alle verantwortlichen Entscheidungsträger auf, diesen Referentenentwurf für eine Reform der Psychotherapeutenausbildung entschieden abzulehnen.

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