27.10.2015 | Pressestatement

Psychische Erkrankungen: neue Versorgungsansätze notwendig

Psychische Erkrankungen gehören zu den Hauptursachen von Krankschreibungen bei Deutschlands Beschäftigten. Das geht aus dem heute in Berlin vorgestellten „Psychoreport“ der DAK-Gesundheit hervor. Gleichzeitig bestehen in vielen Regionen akute Engpässe in der Versorgung der Betroffenen. DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth fordert deshalb neue Ansätze, um Prävention, Diagnostik und Therapie von psychischen Erkrankungen bundesweit zu verbessern.

„Nach den Daten der DAK-Gesundheit haben psychische Erkrankungen noch nie so viele Fehltage verursacht wie im vergangenen Jahr. Jeder 20. Arbeitnehmer war 2014 aufgrund einer Depression, Angststörung oder einem anderen psychischen Leiden krankgeschrieben. Insgesamt hat sich die Anzahl der Fehltage in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Dies zeigt, dass die Bedeutung psychischer Erkrankungen in Deutschland wächst – auch wenn es heute nicht mehr psychisch erkrankte Menschen gibt als vor zehn oder zwanzig Jahren. Vielmehr sind die Erkrankungen heute sozial besser akzeptiert und werden besser diagnostiziert.

Das Gesundheitswesen ist auf diese Entwicklung nicht ausreichend vorbereitet, die aktuelle Versorgungslage bereitet uns große Sorgen. Psychisch erkrankte Menschen müssen zum Teil viel zu lange warten, bis sie einen Termin bei einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder einem ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten erhalten. Wie rasch die Betroffenen Hilfe finden, hängt zudem auch stark von ihrem Wohnort ab. Menschen in großen Städten und im Westen sind gegenüber der ländlichen Bevölkerung im Osten deutlich im Vorteil.

Angesichts der akuten Engpässen in der Versorgung benötigen wir in Deutschland dringend neue Ansätze in der Versorgung. Das Potenzial von gestuften, personenzentrierten und sektorenübergreifenden Versorgungsmodellen, zum Beispiel durch die integrierte Versorgung nach § 140 SGB V, ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Eine neue Chance bietet der Innovationsfonds, durch den strukturierte, sektorenübergreifende Versorgungsmodelle erprobt werden sollen. Wir hoffen, dass die Entscheidungsträger aus der Selbstverwaltung, die über die Vergabe der Projekte im Innovationsfonds entscheiden, die Verbesserung der Versorgung von psychisch erkrankten Menschen im Blick haben.

Gleichzeitig müssen wir sorgfältig prüfen, welche Chancen sich durch die neuen technischen Möglichkeiten wie Online-Therapien eröffnen. Die Resultate erster Pilotprojekte sind vielversprechend. Allerdings sind noch zahlreiche Fragen zu klären: Wer führt die Eingangsdiagnostik durch? Wie intensiv muss die Begleitung durch Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie ärztliche und psychologische Therapeuten sein? Wer steht zur Krisenintervention und bei Suizidalität zur Verfügung? 

Mit diesen wichtigen Fragen werden wir uns intensiv auf dem DGPPN Kongress 2015 auseinandersetzen, der unter Motto „Der Mensch im Mittelpunkt: Versorgung neu denken“ steht. Nationale und internationale Experten aus Wissenschaft, Praxis und Politik werden neue Versorgungskonzepte vorstellen und disziplinenübergreifend diskutieren.“

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