27.01.2017 | Pressemitteilung

Holocaust-Gedenktag: Erinnerung an die Opfer der „Euthanasie“

Auf der Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag im Bundestag standen heute erstmals die Opfer der NS-„Euthanasie“-Morde im Mittelpunkt. Aus Sicht der DGPPN ist dies ein wichtiger Schritt in der Auseinandersetzung mit einem der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der deutschen Medizin.

Menschen mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen gehörten zu den Verfolgten des Nationalsozialismus und galten als Belastung für die deutsche „Volksgemeinschaft“. Bis zu 400.000 Menschen wurden ab 1934 gegen ihren Willen sterilisiert, mehr als 200.000 in den damaligen Heil- und Pflegeanstalten ermordet. Dies geschah inmitten der deutschen Gesellschaft, verantwortet von Psychiatern, Neurologen, Kinder- und anderen Fachärzten, von Verwaltungsfachleuten und Pflegekräften. An die Opfer wollte nach 1945 für lange Zeit kaum jemand erinnern. Auch in vielen betroffenen Familien wurde ihre Geschichte verschwiegen.

Die DGPPN ist sich ihrer besonderen Verantwortung um die Würde und Rechte der psychisch Kranken bewusst, die ihr aus der Beteiligung ihrer Vorläuferorganisationen an den Verbrechen des Nationalsozialismus, an massenhaften Krankenmorden und Zwangssterilisationen erwachsen ist. Sie hat diese Verantwortung deshalb 2009 in ihrer Satzung verankert und die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte zu einem ihrer zentralen Handlungsfelder gemacht. Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung hat die Fachgesellschaft 2010 die Opfer und deren Angehörige um Verzeihung für das Leid und das Unrecht gebeten, das ihnen im Namen der deutschen Psychiatrie und von deutschen Psychiatern angetan wurde und für das viel zu lange Verdrängen in der Zeit danach. 

Seit 2014 zeigt die DGPPN eine in Kooperation mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Topographie des Terrors entstandene Wanderausstellung, welche die NS-„Euthanasie“-Verbrechen ins Zentrum rückt. Seit diese 2014 im Deutschen Bundestag unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet wurde, haben sie mehr als 280.000 Menschen in Deutschland und an internationalen Standorten besucht.

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