22.06.2016 | PRESSEMITTEILUNG

Nachwuchsmangel betrifft forensische Psychiatrie im Besonderen

Psychische Erkrankungen gehören heute zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen in Deutschland, immer mehr Betroffene nehmen medizinisch-therapeutische Hilfe in Anspruch. In bestimmten Regionen, z. B. auf dem Land, zeigen sich bereits ernstzunehmende Versorgungsengpässe. Der Ärztemangel macht auch vor der forensischen Psychiatrie nicht Halt. 

Seit Jahren steigt die Zahl der psychisch kranken Straftäter, die in den Kliniken des Maßregelvollzugs behandelt werden, stark an. Die jährlich stattfindende Summer School der DGPPN richtet sich deshalb speziell an den ärztlichen Nachwuchs und bringt ihm den Beruf des forensischen Psychiaters näher, damit dieser auch in Zukunft für die erfolgreiche Behandlung und Sicherung zur Verfügung steht.

Was passiert tatsächlich in einer forensisch-psychiatrischen Klinik? Wie sieht der Arbeitsalltag forensischer Psychiater aus? Mit welchen psychischen Erkrankungen haben sie es zu tun? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhalten Studierende in der jährlich stattfindenden Summer School. Diese bot am vergangenen Donnerstag und Freitag im Asklepios Fachklinikum Göttingen rund 50 Medizinstudierenden einen spannenden Einblick in das Fachgebiet. Nach einem Einführungstag mit den juristischen und forensisch-psychiatrischen Grundlagen folgt am zweiten Tag ein Praxisteil, in dem die Teilnehmer die Klinik kennenlernen, Gespräche mit Patienten führen und Übungsaufgaben absolvieren.

„Psychiatrische Gutachter helfen den Gerichten dabei, die Schuldfähigkeit von Angeklagten zu beurteilen. Eine Schuldunfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung liegt zum Beispiel dann vor, wenn einer Person im Rahmen einer akuten Psychose eine als real empfundene Stimme befiehlt, eine Straftat zu begehen. Das Gericht kann die Einweisung in den psychiatrischen Maßregelvollzug dann anordnen, wenn vom Täter aufgrund seiner Erkrankung weitere erhebliche Straftaten zu erwarten sind“, erklärt Professor Jürgen L. Müller, Fachreferatsleiter Forensische Psychiatrie der DGPPN. Er führte gemeinsam mit DGPPN-Vorstandsmitglied Dr. Nahlah Saimeh durch die vierte Summer School, die sich speziell an den Nachwuchs richtet und ihm den Beruf des forensischen Psychiaters näherbringt.

„Zu den Krankheitsbildern, die in der forensischen Psychiatrie behandelt werden, gehören Psychosen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, sexuelle Präferenzstörungen und andere psychische Erkrankungen. Sie können nicht immer geheilt, jedoch meist so behandelt werden, dass die Patienten nicht wieder straffällig werden. Ziel der forensischen Unterbringung ist es, die psychische Störung zu behandeln und gleichzeitig dem Betroffenen ein Leben in Freiheit unter Wahrung der berechtigten Schutzinteressen der Öffentlichkeit zu ermöglichen“, so Dr. Saimeh.

Die Summer School ist Teil des vielfältigen Nachwuchsengagements der DGPPN, die mit einer neuen Initiative mehr junge Menschen für das Fach Psychiatrie und Psychotherapie begeistern will. Unter dem Titel „Generation PSY – Unsere Gesellschaft braucht neue Psychiater“ räumt die neue Internetplattform www.generation-psy.de mit Vorurteilen und Klischees auf. Neben zielgruppengerechten Informationen bietet Generation PSY besondere Angebote, die zeigen, dass es sich um eine der spannendsten Disziplinen der Medizin handelt. Dazu gehören Summer Schools, ein Mentoringprogramm oder Intensivkurse für die Facharztprüfung und nicht zuletzt auch ein für den Nachwuchs maßgeschneidertes Programm auf dem DGPPN Kongress.

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