17.03.2015 | Pressestatement

Medikamentenmissbrauch: Prävention verstärken

Zur heutigen Veröffentlichung des DAK-Gesundheitsreports erklärt DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth:

„Der DAK-Gesundheitreport spricht ein Thema an, das auch uns Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie zunehmend beschäftigt: der Missbrauch von Medikamenten zur kognitiven Leistungssteigerung. Die Konsumenten erhoffen sich dadurch etwa eine Erhöhung ihrer Aufmerksamkeits-, Lern-, Konzentrations- und Merkfähigkeit. Oftmals wird auch eine Verbesserung der motivationalen und emotionalen Befindlichkeit angestrebt. Doch der Missbrauch ist mit großen Risiken verbunden: So kann der regelmäßige Gebrauch dieser Mittel zur Abhängigkeit führen. Außerdem besteht die Gefahr schwerer Nebenwirkungen. Deshalb muss der Missbrauch von psychopharmakologischen Medikamenten stärker in den Fokus der deutschlandweiten Präventionsaktivitäten rücken. Die DGPPN hat zu Beginn des Jahres außerdem eine wissenschaftliche Behandlungsleitlinie zur Medikamentenabhängigkeit initiiert. 

Der Missbrauch von pharmakologischen Substanzen zur kognitiven Leistungssteigerung ist ein Indiz dafür, dass sich die Menschen während ihrer Ausbildung oder im Berufsleben einem zunehmenden Leistungsdruck ausgesetzt sehen. Psychosoziale Risikofaktoren müssen deshalb in der Arbeitswelt insbesondere im betrieblichen Gesundheitsmanagement noch größere Beachtung finden und in die gemeinsame Verantwortung von Politik, Arbeitgebern und Beschäftigten rücken.

Es steht außer Frage, dass verschreibungspflichtige Medikamente nur zur Heilbehandlung einer manifesten Erkrankung eingesetzt werden dürfen. Ärztinnen und Ärzte müssen deshalb die Verschreibung dieser Medikamente in jedem Fall kritisch prüfen. Die Verordnung darf nur auf der Grundlage einer gründlichen Diagnose und einer nachweisbaren Indikation erfolgen. Psychopharmaka werden heute von Ärzten aller Fachrichtungen eingesetzt. Bei Unsicherheiten ist deshalb ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder ein Nervenarzt hinzuzuziehen. Zusammen mit Psychotherapie und psychosozialen Interventionen bilden Psychopharmaka nur einen von vielen wichtigen Bausteinen in der Therapie von psychischen Erkrankungen. 

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft gehört es zu unseren zentralen Anliegen, die Qualität in der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen stetig zu optimieren. Deshalb werden wir die Daten des DAK-Gesundheitsreports 2015 in einem nächsten Schritt weiter auswerten und in unsere wissenschaftliche Arbeit miteinbeziehen.“

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