12.05.2015 | PRESSEMITTEILUNG

Essstörungen: Aufklärung intensivieren

Essstörungen wie Magersucht oder Essbrechsucht sind schwerwiegende psychische Erkrankungen mit starken Auswirkungen auf die psychosoziale und körperliche Entwicklung. Sie verlaufen oftmals chronisch und können für die Betroffenen lebensgefährlich werden. Trotzdem wird in der Öffentlichkeit auch heute noch häufig ein ungesundes und unerreichbares Körperbild propagiert. Die DGPPN fordert deshalb einen verantwortungsvolleren Umgang mit dem Thema.

Kennzeichnend für eine Essstörung ist, dass Nahrung, Essen oder Hungern das Leben der Betroffenen bestimmen. In vielen Fällen ist eine Körperbildstörung ein zentrales Symptom der Erkrankung – insbesondere bei der Magersucht und der Essbrechsucht. Das Krankheitsbild tritt bei Mädchen bzw. Frauen vielfach häufiger auf als bei Jungen bzw. Männern. Essstörungen nehmen oftmals einen schwerwiegenden Verlauf: Die Magersucht ist unter allen psychischen Erkrankungen diejenige mit der höchsten Mortalität. Trotzdem wird in der Öffentlichkeit auch heute noch häufig ein ungesundes und unerreichbares Körperbild verbreitet.

Ganz aktuell weist eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen auf die Bedeutung medialer Bilderwelten auf die Entwicklung von Essstörungen hin. Fast ein Drittel der 241 befragten Menschen, die aktuell an einer Essstörung leiden, gab an, dass die Sendung Germany´s Next Top Model einen starken Einfluss auf ihre eigene Essstörung hatte. „Diese Daten sind alarmierend. Die Sendeformate propagieren ein Schönheitsideal, das wir als wissenschaftliche Fachgesellschaft sehr kritisch sehen. Die hier gezeigten Körper spiegeln nicht die Realität wider. Gerade Jugendliche, die sich noch in der Pubertät befinden, können dadurch stark verunsichert werden“, erklärt DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth.

Essstörungen und insbesondere die Magersucht gehen bei den Betroffenen meist mit dem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit und insbesondere der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper einher. Die Folge sind ausgeprägte negative Gefühle und häufig auch Depressivität. Die Konfrontation mit einem ‚perfekten‘ weiblichen Körper in den Medien und der Werbung kann diese Unzufriedenheit und die damit verbundenen negativen Gefühle verstärken. Der ständige Vergleich mit einem Schlankheitsideal, dem in der Realität nur sehr wenige Frauen entsprechen, kann der Auslöser für eine Diät sein, was wiederum ein sehr häufiger Einstieg in eine Essstörung ist.

Die DGPPN fordert deshalb eine konsequente Aufklärung über das Krankheitsbild Essstörung und einen verantwortungsvolleren Umgang mit dem in der Öffentlichkeit gezeigten Körperideal. „Um insbesondere junge Menschen zu schützen, braucht es dringend mehr Vielfalt in den medialen Bilderwelten. Gleichzeitig müssen wir noch breiter und intensiver über die Gefahren von Essstörungen aufklären“, so Dr. Hauth weiter. 

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