Bei der Behandlung psychisch erkrankter Menschen steht oft die Akutversorgung im Vordergrund. Doch großer Handlungsbedarf zeigt sich auch bei der langfristigen Versorgung – insbesondere im Bemühen um die chancengleiche Teilhabe Betroffener am Leben in der sozialen Gemeinschaft. Das Referat „Rehabilitation und Teilhabe“ der DGPPN engagiert sich seit vielen Jahren auf diesem Gebiet.
In der Langzeitperspektive psychisch erkrankter Menschen hat sich in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel vollzogen: Das sogenannte Empowerment-Modell hat das Behinderungsmodell abgelöst – gesunde Ressourcen stehen heute im Mittelpunkt der Betrachtung des Patienten. Mit der Einrichtung des Fachreferates „Rehabilitation und Teilhabe“ reagierte die DGPPN nicht nur auf diese Entwicklung, sie rückte damit auch die strukturellen und fachlichen Defizite Deutschlands in diesem Bereich der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgungslandschaft in den Fokus. Ganz zuvorderst steht dabei der Gedanke, dass Rehabilitation für Menschen mit psychischen Erkrankungen vor allem der chancengleichen Teilhabe am Leben in der sozialen Gemeinschaft dienen sollte.
Das Kultips Netzwerk wurde 2019 auf Initiative der Bundesarbeitsgemeinschaft Künstlerische Therapien ins Leben gerufen und gemeinsam mit der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft als Trägerverein aufgebaut.
Ausgangspunkt der Netzwerkarbeit ist die Überzeugung, dass kulturelle Aktivitäten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der psychischen Gesundheit leisten. Dennoch ist die Teilhabe am kulturellen Leben für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen bis heute oft mit Hürden verbunden. Viele Betroffene berichten, dass sie vor ihrer Erkrankung durch kulturelle Angebote Kraft schöpfen konnten und diese Ressource auch nach einer Therapie wieder nutzen möchten.
Das Netzwerk verfolgt daher das Ziel, die kulturelle Teilhabe für alle Menschen – unabhängig davon, ob sie von einer seelischen Beeinträchtigung betroffen sind oder nicht – zu stärken. Es setzt sich dafür ein, Zugänge zu kulturellen Angeboten zu erleichtern und Menschen dazu zu ermutigen, entsprechend ihren individuellen Interessen aktiv oder rezeptiv am kulturellen Leben teilzunehmen.