Psychopharmakologie

In der Behandlung von psychischen Erkrankungen kommen Psychopharmaka neben Psychotherapie und psychosozialen Interventionen eine zentrale Rolle zu. Dennoch sind Psychopharmaka umstritten, viele Menschen begegnen ihnen mit Skepsis. Gleichzeitig machen sich auch ein Mangel an innovativen Medikamenten und die Auswirkungen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) bemerkbar.

Vor diesem Hintergrund gründete die DGPPN das Referat „Psychopharmakologie“. Dieses setzt sich intensiv mit den vielschichtigen Themen im Feld der Arzneimitteltherapie psychischer Erkrankungen auseinander.

Seit Inkrafttreten des AMNOG werden neue Medikamente bei der Markteinführung einer sogenannten frühen Nutzenbewertung unterzogen. Im Rahmen dieser Verfahren, die in den Händen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) liegen, haben die Fachgesellschaften die Möglichkeit zur Stellungnahme. Vier Verfahren für Psychopharmaka hat der G-BA seit 2011 auf den Weg gebracht. Das Referat „Psychopharmakologie“ hat in enger Abstimmung mit dem Vorstand der DGPPN und anderen Fachreferaten drei davon mit Stellungnahmen kommentiert und an den entsprechenden Anhörungen teilgenommen.

Im Austausch mit Politik und Behörden

Durch seine Mitgliedschaft in der Ad-hoc-Kommission „Frühe Nutzenbewertung“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften steht das Referat nicht nur im engen Austausch mit anderen medizinischen Fachgesellschaften, sondern auch mit den Entscheidungsträgern beim G-BA. Zusätzlich besteht ein intensiver Dialog mit den Bundesoberbehörden und mit der pharmazeutischen Industrie – immer mit dem Ziel, die Entwicklung, Zulassung und Bewertung von Arzneimitteln konstruktiv und kreativ voranzutreiben.

Das Referat berät und unterstützt den Vorstand der DGPPN immer wieder zu Fragen der Psychopharmakotherapie, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden und teilweise heftige und oftmals kontroverse Reaktionen auslösen. Beispiele sind die Diskussion um die Neben- und Wechselwirkungen bestimmter Medikamententypen. Die sachliche und differenzierte Aufklärung der Öffentlichkeit und die Weiterbildung von Fachkollegen über den Nutzen, aber auch die Risiken der Psychopharmakotherapie bilden damit eine der zentralen Aufgaben.

Nutzenbewertung

Die DGPPN, unter maßgeblicher Beteiligung des DGPPN-Referats Psychopharmakologie, ist dem Aufruf des G-BA über eine schriftliche Stellungnahme zur frühen Nutzenbewertung nach § 35a SGB V von Nalmefen/Selincro® gefolgt. Die mündliche Anhörung fand am 12.01.2015 statt.

Literatur
  • Fritze J (2009) Gemeinsames Positionspapier ‚Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und „Wirkstoff aktuell“ – Venlafaxin in der Diskussion‘. Psychoneuro 34(8):349-350
  • Fritze J (2009) Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP) zum Vorbericht „Selektive Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) bei Patienten mit Depressionen“.
  • Fritze J (2009) Psychopharmaka-Verordnungen – Ergebnisse und Kommentare zum Arzneiverordnungsreport 2008. Psychopharmakotherapie; 16(3):121-133
  • Fritze J, Aldenhoff J, Bergmann F, Eckermann G, Gründer G, Maier W, Möller H-J, Rupprecht R, Schneider F (2010) Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapie (DGPPN) ‚Kritik am IQWiG-Abschlussbericht „Bupropion, Mirtazapin und Reboxetin bei der Behandlung der Depression“.
  • Fritze J (2011) Psychopharmaka-Verordnungen – Ergebnisse und Kommentare zum Arzneiverordnungsreport 2011. Psychopharmakotherapie 18(6):245-256
  • Gründer G, Aldenhoff J, Bergmann F, Eckermann G, Maier W, Möller H-J, Fritze J (2008) Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapie (DGPPN) zu den „Empfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft zur Verordnung von benzodiazepinhaltigen Hypnotika“.
  • Gründer G, Fritze J, Schneider F (2010) Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zum Memorandum der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) zur Anwendung von Antipsychotika.
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Kontakt

Prof. Dr. med. Gerhard Gründer

Leiter des Referats

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Universitätsklinikum Aachen
Pauwelsstraße 30 | 52074 Aachen

Telefon: 0241 8088415
ggruender@ukaachen.de

Dr. med. Gabriel Eckermann

Stellvertretender Leiter des Referats






eckermann.iapkf@online.de

PD Dr. Michael Paulzen



Zweiter Stellvertretender Leiter des Referats

Universitätsklinikum Aachen
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Pauwelsstraße 30 | 52074 Aachen

Telefon: 0241 8089508
mpaulzen@ukaachen.de