Gesundheitsfachberufe

Ergotherapie, Künstlerische Therapien, Soziale Arbeit und Bewegungstherapie – diese spezialtherapeutischen Berufe haben ihren festen Platz in der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Das Referat „Gesundheitsfachberufe“ der DGPPN hat zum Ziel, die evidenzbasierte Behandlungsqualität in diesen Berufen zu sichern sowie die Inter- und Transdisziplinarität weiterzuentwickeln.

Spezialtherapeutische Berufe tragen wesentlich dazu bei, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen ihre Handlungsfähigkeit im Alltag wiedererlangen. Die psychosozialen und sporttherapeutischen Interventionen sorgen für eine nachhaltige Stabilisierung und ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe. Doch es gibt auch noch Forschungsbedarf. Das Referat bemüht sich zudem um interprofessionelle und transdisziplinäre Konzepte, um eine gute Zusammenarbeit aller Berufsgruppen zu fördern, und setzt sich mit den Schnittstellen zwischen Wissenschaft und praktischer Patientenversorgung auseinander.

Schwerpunkte
  • Mitwirkung der einzelnen spezialtherapeutischen Berufsgruppen an Leitlinien und Behandlungsempfehlungen
  • Beteiligung an weiteren Ausarbeitungen des ab 2013 in der Psychiatrie relevanten Vergütungssystems, Gestaltung der Inhalte und Rahmenbedingungen für die OPS-Codes
  • Förderung der psychiatrischen Aus-, Fort- und Weiterbildung der Gesundheitsfachberufe

Mitglied werden im DGPPN-Referat Gesundheitsfachberufe
Das Referat vertritt die spezialtherapeutischen Berufe in der psychiatrischen, psychotherapeutischen und psychosomatischen Versorgung. Ziel ist es, den multiprofessionellen Behandlungsansatzes in der Psychiatrie zu stärken und die Weiterentwicklung und Vernetzung aller Berufsgruppen auf Augenhöhe in der therapeutischen Praxis sowie in Wissenschaft und Forschung voranzubringen.

Bei Fragen und Interesse an der aktiven Mitarbeit wenden Sie sich gern an die Referateleitung und senden uns den ausgefüllten Mitgliedsantrag zu.

Tätigkeiten von SpezialtherapeutInnen

Zeitgemäße psychiatrische Behandlung ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Spezialisierung und Individualisierung der Therapie. Dabei nehmen traditionsgemäß ärztlich-psychotherapeutische und pflegerische Maßnahmen weiterhin eine richtungsweisende Funktion ein. Eine moderne und erfolgreiche psychiatrische Therapie wird aber erst wirksam durch ein multiprofessionelles Behandlungsangebot, in dem Fachtherapeuten unterschiedlicher Disziplinen gemeinsam und auf Augenhöhe mit dem Patienten ressourcenorientiert Therapieziele formulieren und mit Hilfe spezifischer, klienten-/patientenzentrierter Maßnahmen zur psychischen Stabilisierung und aktiver Teilhabe beitragen.

Die Stärken der Fachtherapien sind z. B.

  • der sehr konkrete, alltags- und betätigungsorientierte Ansatz der Ergotherapie oder
  • der Einsatz körperlicher Aktivität wie er in Physio- und Bewegungstherapie seine Anwendung findet.
  • Therapieangebote wie die Künstlerischen Therapien, z. B. Tanz- Musik- und Kunsttherapie, bieten Patienten vielfältige Möglichkeiten, Zugang zu einer emotionalen Ebene zu finden und neue Erfahrungen zu sammeln.
  • Wichtiger Bestandteil der fachtherapeutischen Interventionen ist die professionelle Begleitung des Menschen in seinem sozialen Umfeld.

Die indikationsspezifische Kombination verschiedener fachtherapeutischer Behandlungen dient der Sicherung der gesellschaftlichen Teilhabe.

Das Referat Gesundheitsfachberufe verfolgt das Ziel die Kompetenzprofile der einzelnen fachtherapeutischen Berufsgruppen zu präsentieren, in der Vernetzung auch mit den ärztlichen und psychotherapeutischen Professionen zu stärken und die Kenntnisse aller im Fachgebiet tätigen Berufsgruppen in Bezug auf Inhalte und Anwendung der Spezialtherapien zu intensivieren.

Ergotherapie

„Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken.
Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen.“ (DVE 08/2007)

Die Ergotherapie als Gesundheitsfachberuf fokussiert die Alltagsbetätigung. Sie wird als komplexes Zusammenspiel personaler Fähigkeiten und beeinflussender Kontextfaktoren sowie als aktives, die Gesundheit stabilisierendes und sinnvoll erlebtes Tätigsein zur Bewältigung des täglichen Lebens verstanden. Unter Rückgriff auf bezugswissenschaftliche Erkenntnisse trainiert die Ergotherapie

  • personale Fähigkeiten für wichtige Alltagsaktivitäten,
  • adaptiert das physikalische Umfeld durch Hilfsmittel oder Umbaumaßnahmen,
  • modifiziert Alltagsaktivitäten und deren Prozesse und
  • berät das soziale Umfeld (z.B. Familie oder Arbeitskollegen).

Dabei verfolgt die Ergotherapie das Ziel, die konkrete Ausführung von Tätigkeiten, die der Patient selbst als essenziell für seine Alltagsbewältigung ansieht, zu stabilisieren oder zu verbessern – sei es im Bereich der körperlichen Selbstversorgung, der eigenständigen Lebensführung, in Schule oder Beruf oder im Bereich Freizeit und gesellschaftliches Engagement. Im Rahmen der Gesundheitsversorgung von Patientinnen und Patienten kann Ergotherapie verordnet werden, um

  • eine Krankheit zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern (Kuration, Rehabilitation)
  • eine Schwächung der Gesundheit zu beseitigen, die zu einer Krankheit führen würde (Prävention)
  • einer Gefährdung der gesundheitlichen Entwicklung eines Kindes entgegenzuwirken (Förderung)
  • Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu mindern.

Weitere Fakten und hilfreiche Hinweise bei der Verordnung von Ergotherapie finden Sie beim Deutschen Verband der Ergotherapeuten e.V.

Künstlerische Therapien

Künstlerische Therapien (Kunst-, Musik, Tanz-, Theatertherapie u.a.) zielen auf die Wiedererlangung, Erhaltung und Förderung der physischen, psychischen und psychosozialen Gesundheit sowie die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit psychischen und somatischen Erkrankungen, mit emotional, kognitiv oder sozial bedingten Einschränkungen, Behinderungen, Verhaltensstörungen und Leidenszuständen sowie Menschen, die davon bedroht sind.

Künstlerische Therapien basieren auf dem Interaktionsgeschehen zwischen Patient, Therapeut und schöpferisch-künstlerischem Prozess bzw. Werk. Die handlungsorientierte Anwendung künstlerischer Medien und Prozesse verbessert auf der Basis der therapeutischen Beziehung insbesondere die Wahrnehmung, die Regulation von Verhalten und Emotionen sowie kommunikative Fähigkeiten und soziale Interaktionen.

Kennzeichnend für den künstlerisch-therapeutischen Verlauf ist die Übertragung und Übertragungsdeutung  der Werk- und Beziehungsprozesse in Bezug auf die aktuelle Lebensbefindlichkeit, Symptomatik und ggf. auf die Biografie des Patienten. Mit ihren spezifischen Interventionen fördern Künstlerische Therapeuten vor allem den Zugang zu präverbalen und nonverbalen psychischen Inhalten. Sie ermöglichen damit Selbstreflexion bzw. Bewusstwerdung und erleichtern die Integration von belastenden und traumatischen Erlebnissen und Erfahrungen.

Da auf aktuell auftretende Ereignisse innerhalb der Beziehungs- und Gestaltungsprozesse eingegangen wird, ist der Patient stets unmittelbar und aktiv an der Bestimmung des therapeutischen Prozessverlaufs beteiligt. Der die Sinnesorgane ansprechende, mediale Zugang und die „Evidenz“ des Kunstproduktes oder Werkes ermöglichen eine intersubjektive Auseinandersetzung mit intrapsychischem Inhalt. Damit zielt die Behandlung auf eine nachhaltige Stabilisierung und Wiedereingliederung in den Lebensalltag der Patienten und auf die Entwicklung und Stärkung übergreifender Kompetenzen wie Problemlösungsverhalten und Selbstregulation, die einen langfristigen Heilungserfolg begünstigen.

Die Berufs- und Fachverbände für Künstlerische Therapien in Deutschland sind zur gemeinsamen Qualitätssicherung und Berufspolitik in der Bundesarbeitsgemeinschaft Künstlerische Therapien e. V. organisiert.

Soziale Arbeit

Die Soziale Arbeit bezieht sich auf die aktuellen, persönlichen und sozialen Probleme der Menschen im Zusammenhang mit seinen Ressourcen, Behinderungen, Funktionsstörungen, Erkrankungen und den Auswirkungen auf ihr Leben und das ihrer Angehörigen. „Sie berücksichtigt hierbei insbesondere die sozialen, ökonomischen und psychischen Aspekte einer Krankheit und stellt diese in Relation zum subjektiven Krankheitserleben des Betroffenen.“ Prinzipien des beruflichen Handelns sind die unbedingte „Achtung der Würde des Menschen, der Selbstbestimmung des Einzelnen und von Gemeinschaften, insbesondere im Blick auf ihre Werteorientierung, das Vertrauen in die positive Veränderbarkeit sozialer Verhältnisse und das Vertrauen in die Kraft und den Willen von Menschen, belastende Lebensverhältnisse bei geeigneter Unterstützung selbst anzugehen…“ (vgl. Richtlinien der Deutschen Vereinigung für Sozialdienst im Krankenhaus e. V. (DVSK, 1999).

"Charakteristisch für die Soziale Arbeit ist die ganzheitliche Sicht des Menschen in seiner individuellen Eigenart und Entwicklung, seinem sozio-kulturellen Lebensraum und seiner ökonomischen Situation.“ (vgl. DBSH, Berufsbild für Fachkräfte der Sozialen Arbeit, 1996).

Die Aufgaben der Sozialen Arbeit auf Einzelfallebene beinhalten insbesondere das Wahrnehmen der individuellen Lebenswelt des Patienten. Sie befähigt ihn seine Rechte und Pflichten bewusst wahrzunehmen und unterstützt bei der Entscheidungsfindung. Sie fördert die Compliance und Handlungsfähigkeit des Patienten und somit die Teilhabe an der Gesellschaft.

Die Aufgaben der Sozialen Arbeit auf der Systemebene beinhalten das Schnittstellenmanagement auf Träger-, Dienstleister- und Kostenträgerebene zwischen Systemen des Sozial- und Gesundheitswesens und zwischen den Sektorgrenzen der ambulanten Akut- und Rehabilitationsbehandlung. Wesentlich ist hierbei die Analyse von Schnittstellen und Versorgungsbrüchen sowie deren Aufgreifen auf Systemebene zur Entwicklung tragfähiger struktureller Lösungen.

Soziale Arbeit bewegt sich zwischen Berufsauftrag, Orientierung an individuellen Bedürfnissen und dem Interesse der Gesellschaft.

Weitere Informationen zur Sozialen Arbeit unter:
Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen
Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit

Sport- und Bewegungstherapie, Physiotherapie

Sport– und Bewegungstherapie ist ärztlich indizierte und verordnete Bewegung mit verhaltensorientierten Komponenten, die vom Fachtherapeuten geplant, dosiert, gemeinsam mit dem Arzt kontrolliert und mit dem Patienten alleine oder in der Gruppe durchgeführt wird.

Bewegungstherapie will mit geeigneten Mitteln des Sports, der körperlichen Aktivität und der Verhaltensorientierung bei vorliegenden Schädigungen gestörte physische, psychische und psychosoziale Beeinträchtigungen (Alltag, Freizeit und Beruf betreffend) rehabilitieren (Rehabilitation) bzw. Schädigungen und Risikofaktoren vorbeugen (Prävention).

Bewegungstherapie beruht dabei auf medizinischen, trainings- und bewegungswissenschaftlichen und insbesondere pädagogisch-psychologischen sowie sozialtherapeutischen Elementen.
Dabei dienen die trainingswissenschaftlichen Aspekte besonders der Auswahl und Dosierung der körperlichen Aktivität zur Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung.

Bewegungstherapie folgt der ICF, ist epidemiologisch begründet und evidenzbasiert.

Bewegungstherapie intendiert die Erlangung der Handlungs- und Sozialkompetenz des Menschen und strebt Verhaltensstabilisation oder Verhaltensänderung mit dem Ziel einer besseren Lebensqualität und Ökonomisierung im Gesundheitswesen an.

Quelle: Deutscher Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e. V.

Kontakt

Angela Döring

Leiterin des Referats

Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.
Leitungsteam Fachausschuss Psychiatrie
Hangohrstr. 17 | 45279 Essen

Telefon: 0173 5302508
angela.doering@rub.de

Beatrix Evers-Grewe

Stellvertretende Leiterin des Referats

LVR-Klinikum Essen
Leitung der Therapeutischen Dienste
Virchowstraße 174 | 45147 Essen

Telefon: 0201 7227-446
beatrix.evers-grewe@lvr.de

Dr. Franz-Peter Begher

Zweiter Stellvertretender Leiter des Referats

LVR-Klinik Langenfeld
Leiter Therapeutische Dienste
Kölner Str. 82 | 40764 Langenfeld

Telefon: 02173 102-2300
franz.begher@lvr.de

Vertreterin Schweiz

Birgit Matter, M.Sc.
bimatter@bluewin.ch

Vertreterin Österreich


Romana Weilguni, MSc.
kunsttherapie@gmx.at

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