Artikel 8 der UN-BRK verlangt, in der gesamten Gesellschaft – also auch im Gesundheitssystem – das Bewusstsein für Menschen mit Behinderungen zu schärfen und die Achtung ihrer Rechte und ihrer Würde zu fördern, Klischees, Vorurteile und schädliche Praktiken ihnen gegenüber abzubauen sowie das Bewusstsein für die Fähigkeiten und den Beitrag von Menschen mit Behinderungen zu fördern.
Menschen mit verschiedenen Behinderungen – mit intellektueller Entwicklungsstörung, psychischen, Sinnes- oder Körperbehinderungen – werden im Hinblick auf ihren Bedarf auch innerhalb der psychiatrischen Versorgung noch nicht adäquat wahrgenommen. Es ist bislang auch nicht in ausreichendem Maße gelungen, die damit verbundenen (Selbst-)Stigmatisierungen der Betroffenen zu überwinden.
Die DGPPN wirkt darauf hin, dass alle Mitglieder ihre Aufmerksamkeit für die unterschiedlichen Bedarfslagen und Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten mit Behinderung entwickeln und an der Überwindung von Zugangsbarrieren zur psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung mitwirken.
Die Belange von Menschen mit Behinderungen sind in die Aktivitäten der DGPPN in angemessener Weise einzubeziehen.
Die Psychiatrie entwickelt sich. Paternalistische Strukturen sind neuen Umgangsformen gewichen, die eine partizipative Entscheidungsfindung und die Autonomie der Patientinnen und Patienten in den Fokus stellen. Diese Haltung erfordert eine stetige Reflexion und Anpassung der Prozesse und Instrumente sowie geeignete Rahmenbedingungen: keine geringen Ansprüche an die Beteiligten – an Behandelnde und Betroffene, aber auch an Gesellschaft und Politik. Das neue DGPPN-Dossier beleuchtet die rechtlichen Grundlagen und medizinethischen Prinzipien sowie die praktischen Konsequenzen ihrer Anwendung.
2022
Die Eingliederung psychisch kranker Menschen und der Trialog, das gleichberechtigte Miteinander von Betroffenen, Angehörigen und Professionellen, waren zwei der zentralen Forderungen der Psychiatriereform, die bis heute Bestand haben. Das neueste DGPPN-Dossier nimmt die trialogische Perspektive ein und beleuchtet die Ergebnisse der Reform. Es geht um Teilhabe und Selbstbestimmung, um die Fortführung der Reform und die Frage, wie gesellschaftliche Normen und soziale Lebenswelten psychische Gesundheit beeinflussen. Darüber geben Daten und Grafiken, aber auch Hintergrundgeschichten und Kurzinterviews Aufschluss.
2020