09.05.2019 | Stellungnahme

Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung

Eine optimale Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen steht im Mittelpunkt des Engagements der DGPPN. Aus diesem Grund beteiligt sich die Fachgesellschaft seit Jahren konstruktiv an der Diskussion zur Reform der Psychotherapeutenausbildung. Die Streichung der Pläne zur Verschreibung von Medikamenten durch Psychologische Psychotherapeuten aus dem Referentenentwurf sowie die Besinnung auf die Notwendigkeit einer somatischen Abklärung vor Beginn einer Psychotherapie werden ausdrücklich unterstützt. Es besteht jedoch weiterhin Nachbesserungsbedarf an zentralen Punkten. Im Folgenden nimmt die DGPPN zu den einzelnen Inhalten eines Entwurfs eines Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung (Drucksache 19/9770) Stellung. 

§ 1 Berufsbezeichnung, Berufsausübung

Absatz 1
(1) Wer die heilkundliche Psychotherapie unter der Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin“ oder „Psychotherapeut“ ausüben will, bedarf der Approbation als „Psychotherapeutin“ oder „Psychotherapeut“. Eine vorübergehende Ausübung des Berufs ist auch aufgrund einer befristeten Erlaubnis nach § 3 Absatz 1 oder Absatz 3 zulässig. Die Berufsbezeichnung nach Satz 1 darf nur führen, wer nach Satz 1, Satz 2 oder den Absätzen 5 und 6 zur Ausübung des Berufs befugt ist. Die Bezeichnung „Psychotherapeutin“ oder „Psychotherapeut“ darf über die Sätze 1 und 2 hinaus von anderen Personen als Ärztinnen und Ärzten, Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten nicht geführt werden. Ärztinnen und Ärzte können dabei den Zusatz „ärztliche“ oder „ärztlicher“ verwenden.

Position der DGPPN
Die Berufsbezeichnung von Heilberufen muss klar erkennbar machen, welcher Grundberuf erlernt wurde und worin die zusätzlichen Kompetenzen bestehen. Die gewählte Lösung ist problematisch, weil für Patienten nicht erkennbar wäre, welche fachliche Qualifikation ein zukünftiger „Psychotherapeut“ bspw. im Vergleich zu den bisherigen „Psychologischen Psychotherapeuten“ mitbringt. Bereits die derzeit bestehenden Berufsbezeichnungen führen regelmäßig zu Verwirrung und Missverständnissen auf Seiten von Patienten und Angehörigen. Dem sollte durch die Festlegung unmissverständlicher Berufsbezeichnungen entgegengewirkt werden. Dazu gehören neben den Absolventen mit Approbation auch eindeutige Bezeichnungen der Bachelor-Absolventen, der Master-Absolventen ohne Approbation sowie der Absolventen der neuen postgradualen Weiterbildung. Die DGPPN empfiehlt, die künftigen Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiums als „Klinische Psychologin“/„Klinischer Psychologe“ (M. Sc. Klinische Psychologie), nach Approbation „Approbierte Klinische Psychologin“/“Approbierter Klinischer Psychologe“ und erst nach erfolgter Weiterbildung als „Psychologische Psychotherapeutin“ bzw. „Psychologischer Psychotherapeut“ zu bezeichnen. Für diesen Fall sollten Ärzte mit entsprechender psychotherapeutischer Qualifikation den Zusatz „ärztliche“ oder „ärztlicher“ verwenden.

 

Absatz 2
(2) Ausübung der heilkundlichen Psychotherapie im Sinne dieses Gesetzes ist jede mittels wissenschaftlich geprüfter und anerkannter psychotherapeutischer Verfahren berufs- oder geschäftsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist. Im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung ist eine somatische Abklärung herbeizuführen. Psychologische Tätigkeiten, die die Aufarbeitung oder Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben, gehören nicht zur Ausübung der heilkundlichen Psychotherapie.

Position der DGPPN
Die DGPPN begrüßt die Notwendigkeit einer somatischen Abklärung vor Beginn einer Psychotherapie in der Legaldefinition des Psychotherapeutenberufs. Nur so können Patienten dagegen abgesichert werden, dass schwere organische Erkrankungen oder gefährliche Interaktionen zwischen somatischen und psychischen Prozessen übersehen werden. 
 

§ 2 Erteilung der Approbation

Absatz 1
(1) Die Approbation als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut ist auf Antrag zu erteilen, wenn die antragstellende Person 
1. das Studium, das Voraussetzung für die Erteilung einer Approbation als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut ist, erfolgreich absolviert hat und die psychotherapeutische Prüfung nach § 10 bestanden hat, […]

Position der DGPPN
Laut dem Gesetzesentwurf soll zukünftig nach einem fünfjährigen Bachelor-/Masterstudium und nach Bestehen einer „psychotherapeutischen Prüfung“ die Approbation erteilt werden. In der geplanten Form ist die Vermittlung der notwendigen praktischen und theoretischen Kenntnisse für eine selbstständige Ausübung von Heilkunde im Sinne der psychotherapeutischen Behandlung im Rahmen des Studiums nicht gesichert. Die Kritikpunkte werden weiter unten im Einzelnen aufgeführt. Sie betreffen insbesondere die geringe Praxiserfahrung, die Psychologie als Bezugswissenschaft sowie die fehlende schriftliche Wissensprüfung. 

§ 7 Ziel des Studiums, das Voraussetzung für die Erteilung einer Approbation als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut ist

Absatz 1
(1) Das Studium, das Voraussetzung für die Erteilung einer Approbation als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut ist, vermittelt entsprechend dem allgemein anerkannten Stand psychotherapiewissenschaftlicher, psychologischer, pädagogischer, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse die grundlegenden personalen, fachlich-methodischen, sozialen und umsetzungsorientierten Kompetenzen, […]

Position der DGPPN
Das Fundament für die Diagnostik, Therapie und wissenschaftliche Erforschung psychischer Erkrankungen ist nur im Rahmen der Medizin und Psychologie (bzw. Pädagogik im Kinder- und Jugendbereich) zu finden. Die universitäre Ausbildung der nicht-ärztlichen Psychotherapeuten sollte unbedingt auf Grundlage eines umfassenden Studiums erfolgen, das ein wissenschaftlich begründetes, offenes Verständnis menschlicher Entwicklung vermittelt und die späteren Psychotherapeuten dazu befähigt, einem offenen wissenschaftlichen Weltbild verpflichtete Psychotherapien von schädlichen, z. B. ideologisch geprägten Therapieansätzen zu unterscheiden. Diese Anforderungen erfüllt das Studium der Psychologie, im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie auch das der Pädagogik. Ein Bachelorabschluss in Psychologie oder Pädagogik sollte Voraussetzung für ein Masterstudium in Klinischer Psychologie sein. Absolventen des Masterstudiums, die keine Approbation anstreben, sollten einen einheitlichen Abschluss erlangen und als Klinische Psychologen (M. Sc. Klinische Psychologie) bezeichnet werden. Eine Kooperation mit Medizinischen Fakultäten an geeigneten Standorten ist wünschenswert.
 

 

 

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