27.11.2019 | Stellungnahme

Stellungnahme zu den Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die psychische Gesundheit

Zurzeit sehen viele, besonders junge Menschen den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlage durch die zu schnelle Erderwärmung existenziell bedroht und demonstrieren für den Klimaschutz. Als Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeuten und Wissenschaftler unterstützen wir dieses Anliegen, gerade auch aus Sorge um die psychische Gesundheit [1].

Der Klimawandel verändert unsere Lebenswelten grundlegend und macht extreme Wetterereignisse wie große Stürme, Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen häufiger und intensiver [1]. Dabei werden die Effekte auf die Psyche noch viel zu wenig beachtet. Wir schließen uns den Kollegen der American Psychiatric Association an und bewerten den Klimawandel als eine Bedrohung für die menschliche Gesundheit, gerade auch der psychischen Gesundheit [2].

  • Die direkte oder indirekte Erfahrung von Katastrophen im Zusammenhang mit Klimaveränderungen und Wetterextremen kann für viele Menschen erheblichen Stress und Ängste verursachen und dadurch zu psychischen Störungen beitragen [3-5].
  • Viele langfristige Auswirkungen des Klimawandels wie z. B. klimabedingte Bevölkerungsmigration, Nahrungsmittelknappheit, schlechte Lebensmittelqualität, ein potenzieller Anstieg übertragbarer Krankheiten, Luftverschmutzung, Verlust von Arbeitsplätzen und Verlust der sozialen Unterstützung haben negative Folgen für die psychische Gesundheit [2,6].
  • Menschen mit bereits bestehenden psychischen Erkrankungen sind besonders vulnerabel für die Folgen des Klimawandels [7,8].
  • Der steigt nach einer klimabedingten Katastrophe. Gleichzeitig kommt es oft zu einer Unterbrechung der Dienste oder zu einer Verschlechterung der Verfügbarkeit oder Zugänglichkeit [9]. 

Deshalb unterstützen wir die Forderung der Fridays-for-Future-Bewegung [10] nach einer Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens und einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C über dem präindustriellen Niveau.

Dieses Ziel ist nicht nur für die Gesundheit unserer Patienten, sondern auch für das Wohlbefinden der Gesellschaft als Ganzes und zukünftiger Generationen entscheidend wichtig.

Als Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeuten und Wissenschaftler ist es unsere persönliche und professionelle Verantwortung, über den Zusammenhang von Klimawandel und psychischer Gesundheit aufzuklären, eigene Emissionen zu reduzieren und auf die konsequente Reduzierung der Emissionen und die Einhaltung dazugehöriger nationaler und internationaler Abkommen hinzuwirken [11]. 

Referenzen

  1. Hagedorn, G., Loew, T. Seneviratne S. I., et al. (2019). The concerns of the young protesters are justified. A statement by Scientists for Future concerning the protests for more climate protection GAIA 28(2), 79– 87
  2. Ursano, R.J., Morganstein C. J., & Cooper, R. (2017). APA Resource Document on Mental Health and Climate Change.
  3. Watts, N., Adger, W.N., Agnolucci, P., et al. (2015). Health and climate change: policy responses to protect public health. The Lancet Commissions, 386(10006), 1861–1914. http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(15)60854-6
  4. Dodgen, D., D. Donato, N. Kelly, A. La Greca, J. Morganstein, J. Reser, J. Ruzek, S. Schweitzer, M.M. Shimamoto, K. Thigpen Tart, and R. Ursano, (2016). Ch. 8: Mental Health and Well-Being. The Impacts of Climate Change on Human Health in the United States: A Scientific Assessment. U.S. Global Change Research Program, Washington, DC, 217–246. http://dx.doi.org/10.7930/J0TX3C9H
  5. Arnberg, F. K., Bergh Johannesson, K., & Michel, P.-O. (2013). Prevalence and duration of PTSD in survivors 6 years after a natural disaster. Journal of Anxiety Disorders, 27(3), 347–352
  6. U.S. Global Change Research Program. (2016). The impacts of Climate Change on Human Health in the United States: A Scientific Assessment. https://health2016.globalchange.gov/. Zuletzt geprüft am 19.11.2019
  7. Berko, J., Ingram, D. D. Saha, S., & Parker, J. D. (2014). Deaths Attributed to Heat, Cold, and Other Weather Events in the United States, 2006–2010. 15 pp., National health statistics reports; no 76. Hyattsville, MD: National Center for Health Statistics. 2014.
  8. Berry, H. L., Bowen, K. & Kjellstrom, T. (2010). Climate change and mental health: A causal pathways framework. International Journal of Public Health, 55, 123–132.
  9. Galea, S., Tracy, M., Norris, F., & Coffey, S. F. (2008). Financial and social circumstances and the incidence and course of PTSD in Mississippi during the first two years after Hurricane Katrina. Journal of Traumatic Stress, 21(4), 357–368.
  10.  https://fridaysforfuture.de/wp-content/uploads/2019/04/Forderungen.pdf. Zuletzt geprüft am 19.11.2019
  11.  https://healthforfuture.de/call-to-action/. Zuletzt geprüft am 19.11.2019

 

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