19.12.2016 | PRESSEMITTEILUNG

Religiosität und Spiritualität in Psychiatrie und Psychotherapie

Religiöse und spirituelle Überzeugungen können für Menschen mit psychischen Erkrankungen eine wichtige Ressource sein, gleichzeitig aber auch die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung erschweren. In einem neuen Positionspapier gibt die DGPPN Empfehlungen zum Umgang mit Religiosität und Spiritualität in der Versorgung. Sie betont darin die Wichtigkeit interkultureller Kompetenz im Umgang mit den Patienten und sieht großen Nachholbedarf in der Forschung, Weiterbildung und klinischen Arbeit.

Die kulturelle Vielfalt in Deutschland wächst: Fast ein Fünftel der Einwohner hat heute ausländische Wurzeln, die Lebenswelten differenzieren zusehends. Die unterschiedlichen Wertvollstellungen, Weltdeutungen und religiösen Überzeugungen spielen auch in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung eine immer größere Rolle. „Ohne Verständnis für diese Besonderheiten besteht die Gefahr, dass religionsspezifische Tabus und Grenzen in der Therapie unwissentlich verletzt werden. Interkulturelle Kompetenzen – gerade in Bezug auf Religion und Weltanschauung – sind deshalb in der Versorgung unverzichtbar“, stellt Professor Michael Utsch fest, der bei der DGPPN das Fachreferat für Religiosität und Spiritualität leitet.

In einem neuen Positionspapier gibt die DGPPN nun konkrete Empfehlungen zum Umgang mit der Thematik. „Zentral ist, dass die Behandler im klinischen Alltag erkennen, ob der Glaube bei einer psychischen Erkrankung Teil des Krankheitsbildes ist oder sich als Ressource in die Behandlungsstrategie einbinden lässt“, so Professor Michael Utsch weiter. Die Fachgesellschaft hat insgesamt zehn Empfehlungen formuliert, die zum Beispiel die Neutralität, die professionellen Grenzen oder das Diversity Management und die Passung in der therapeutischen Beziehung betreffen.

Aus Sicht der DGPPN gilt es, das Bewusstsein für die Bedeutung religiöser und spiritueller Fragestellungen im Fachgebiet insgesamt zu stärken. Sie fordert deshalb neue Initiativen für Deutschland, die das Thema in der Forschung, Lehre, Aus- und Weiterbildung sowie in der klinischen Arbeit weiter vorantreiben.

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