23.06.2016 | PRESSEMITTEILUNG

Adoleszenz: Psychische Erkrankungen in der Versorgung nicht ausreichend berücksichtigt

Vermehrt Obdachlosigkeit, soziale Desintegration und erhöhte Mortalität: Menschen mit psychischen Erkrankungen sind im Übergang vom Jugend- in das Erwachsenenalter besonders gefährdet, durch die Maschen des Versorgungssystems zu fallen. DGKJP und DGPPN diskutieren deshalb heute auf ihrem Hauptstadtsymposium in Berlin die drängendsten Fragen bei der Gestaltung passgenauer Versorgungsangebote für heranwachsende Menschen.

Der Übergang vom Jugend- in das Erwachsenenalter stellt für alle Menschen eine große Herausforderung dar. Er geht nicht nur mit einschneidenden biologischen Prozessen einher, sondern ist auch von einer Reihe psychosozialer Veränderungen geprägt. „Die Adoleszenz stellt junge Menschen vor große Entwicklungsaufgaben. Sie werden autonom, lösen sich vom Elternhaus ab, entwickeln ihre eigene Persönlichkeit und müssen die Weichen für die berufliche Zukunft stellen. In dieser Zeit sind sie besonders vulnerabel, was psychische Erkrankungen anbelangt. Ohne die passende psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung können schon vorhandene Erkrankungen chronifizieren. Gleichzeitig steigt in dieser Lebensphase auch das Risiko für Psychosen, Persönlichkeitsstörungen oder affektive Erkrankungen“, stellt DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth aus Berlin fest. 

Das medizinisch-therapeutische Hilfesystem ist auf diese besondere Patientengruppe bislang noch zu wenig eingestellt. „Junge Menschen benötigen Behandlungssegmente, die ihren speziellen Bedürfnissen gerecht werden. Doch oftmals sind weder die Angebote der Jugend- und Kinderpsychiatrie noch jene der Erwachsenenpsychiatrie passend, es bestehen zudem erhebliche Schnittstellenprobleme. Dabei benötigen adoleszente Patienten ein Umfeld, das ganz genau auf die entwicklungsspezifischen Herausforderungen eingeht – und zwar sowohl in Bezug auf das therapeutische Angebot wie auch auf das psychosoziale Setting. Für den Behandlungserfolg eines jugendlichen Patienten ist es enorm wichtig, dass er sich mit Gleichaltrigen austauschen kann und nicht nur mit Patienten, die 40 Jahre älter sind“, sagt DGKJP-Präsident Professor Tobias Banaschewski aus Mannheim.

DGKJP und DGPPN stellen deshalb auf ihrem heutigen Hauptstadtsymsposium ein neues Eckpunktepapier vor, das die grundlegenden Fragen nach der optimalen Gestaltung des Übergangs von einer kindes- und jugendzentrierten hin zu einer erwachsenenorientierten Versorgung adressiert. Insgesamt fordern die Fachgesellschaften eine Stärkung der Transitionsmedizin für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dabei geht es um die Entwicklung neuer ambulanter, teilstationärer, stationärer und komplementärer Versorgungsangebote. Gleichzeitig sind transitionspsychiatrische Inhalte stärker in Aus-, Fort- und Weiterbildung zu integrieren sowie Grundlagen-, Versorgungs- und Interventionsforschung voranzutreiben.

Zum Eckpunktepapier

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