Frauen- und geschlechtsspezifische Fragen in der Psychiatrie

Nicht nur der Körper, auch die Psyche des Menschen ist durch das Geschlecht geprägt. Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrem Erleben und Verhalten, werden anders krank und gehen anders mit Symptomen um. Das Referat „Frauen- und geschlechtsspezifische Fragen in der Psychiatrie“ der DGPPN widmet sich der Erforschung geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Prävalenz, Symptomatik, Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen.

Epidemiologischen Daten offenbaren: Mädchen und Frauen erkranken häufiger an Depressionen, Angst- und Essstörungen, während Jungen und Männer ein höheres Risiko haben, an Verhaltens- oder Entwicklungsstörungen wie Autismus oder ADHS zu erkranken oder eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln. Auch bei den Erklärungsmodellen für Krankheit unterscheiden sich die Geschlechter: Frauen thematisieren eher die seelische Komponente, während bei Männern körperliche Ursachen im Vordergrund stehen.

Unterschiede in der Versorgung

Frauen nehmen häufiger psychotherapeutische Hilfe in Anspruch als Männer. Damit korrespondiert, dass Ärztinnen und Ärzte bei Frauen eher von psychosomatischen Beschwerden ausgehen als bei Männern und ihren Patientinnen mehr Psychopharmaka verschreiben. Auch in der pharmakologischen Forschung gilt es, Geschlechtsunterschiede noch mehr zu berücksichtigen.

Schwerpunkte
  • Gender-Aspekte in unterschiedlichen Lebensphasen
  • Peripartalpsychiatrie
  • Psychopharmakotherapie
  • Organisation von Symposien, Vorträgen und Workshops
  • Erarbeitung von Stellungnahmen
  • Förderung des Austauschs unter den Mitgliedern des Referats
Literatur
  • Bergemann N (2015) Mood Stabilizer in der Schwangerschaft. Psychopharmakotherapie 22:286-297
  • Bonardi K, Grube M (2012) Selbsterleben von Frauen nach der Entbindung. In: Rieder A, Mikoteit T (eds). Psychische Erkrankungen in der Schwangerschaft und Stillzeit. Karger, Basel
  • Derntl B, Hack RL, Kryspin-Exner I, Habel U (2013) Association of menstrual cycle phase with the core components of empathy. Hormones and Behavior 63(1):97-104
  • Dorn A, Mautner C (2018). Postpartale Depression – Interdisziplinäre Behandlung. Der Gynäkologe; Der Gynäkologe 51:94-101
  • Dorsch V, Meurers A, Rohde A (2014) Verantwortung für Psychopharmaka in der Schwangerschaft. DNP – Der Neurologe & Psychiater 15(10):48-57
  • Gruber J, Grube M (2016) Frauen erkranken anders als Männer – Geschlechtsspezifische Aspekte bei unipolarer Depression. DNP – Der Neurologe & Psychiater, 17(5)
  • Grube M (2012) Zur Rolle der männlichen Partner in der Behandlung peripartaler Störungen. In: Wortmann-Fleischer S, von Einsiedel R, Downing G (eds) Stationäre Eltern-Kind-Behandlung. Kohlhammer, Stuttgart
  • Grube M, Weigand-Torniuk H (2014) Psychiatrisch-psychotherapeutische Interventionen bei Mammakarzinompatientinnen – ein Beitrag zur Konsiliarpsychiatrie. Nervenarzt 85:1390-1401
  • Junger J, Pauly K, Bröhr S, Birkholz P, Neuschaefer-Rube C, Kohler C, Schneider F, Derntl B, Habel U (2013) Sex matters: neural correlates of voice gender perception. Neuroimage 79:275-287
  • Rohde A (2014) Bitte übernehmen Sie Verantwortung! DNP – Der Neurologe & Psychiater 15(10):3-4
  • Rohde A, Hocke A, Meurers A, Dorsch V (2016) Peripartales Management bei psychischer Vorerkrankung. Nervenarzt 87:980-988
  • Trautmann-Villalba P, Wild E, Hornstein C (2010) Auswirkungen mütterlicher postpartaler Erkrankungen auf das psychische Befinden der Partner. Z Geburtsh Neonatol 214: 1-7
  • Wagner B, Klinitzke G, Brähler E, Kersting A (2013) Extreme obesity is associated with suicidal behavior and suicide attempts in adults: results of a population-based representative sample. Depress Anxiety 30(10):975-81
Kontakt

Prof. Dr. med. Anette Kersting

Leiterin des Referats

Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universitätsklinikum Leipzig
Semmelweisstr. 10 | 04103 Leipzig

Telefon: 0341 9718850
anette.kersting@medizin.uni-leipzig.de

Dr. med. Iris Hauth

Stellvertretende Leiterin des Referats

ALEXIANER St. Joseph Krankenhaus
Zentrum für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie
Gartenstr. 1 | 13088 Berlin

Telefon: 030 92790234
i.hauth@alexianer.de

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