16.10.2023 | Versorgung und Forschung

Long COVID: Die neuropsychiatrische Perspektive einbeziehen

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Wie gehen wir als Gesellschaft mit Long COVID um? Das beschäftigt Medizin, Wissenschaft, und Politik gleichermaßen. Um die Situation der Long-COVID-Versorgung in Deutschland besser zu verstehen und Maßnahmen zur Verbesserung zu diskutieren, hatte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im September zum ersten Runden Tisch zum Thema geladen. Unter den anwesenden Expertinnen und Experten: DGPPN-Präsident Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg. Sein Gastbeitrag ist jetzt auf der Website der Long-COVID-Initiative des BMG erschienen. Darin erläutert er, warum neuropsychiatrische Symptome von Long COVID stärker in Versorgung und Forschung berücksichtigt werden müssen, um die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Long COVID muss ganzheitlich betrachtet werden

Anders als bei einer akuten COVID-19-Infektion spielen bei Long COVID neuropsychiatrische Symptome wie Fatigue, Gedächtnisprobleme oder Schlafstörungen eine große Rolle. Wichtig sei eine multifaktorielle Betrachtungsweise, die die biopsychosozialen Aspekte der Erkrankung in Betracht ziehen, sagt Prof. Dr. Meyer-Lindenberg. „Ein ausschließlicher Fokus auf biologische Aspekte erschwert, zu einem tieferen Verständnis der Erkrankung zu gelangen und wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.“ Das sei wesentliche Voraussetzung, um wirksame Behandlungsoptionen aus etablierten Therapien abzuleiten und neue Verfahren zu erschließen, die den Patientinnen und Patienten zugutekommen.

Eine bestmögliche Versorgung muss multiprofessionell und koordiniert erfolgen

Angesichts der Vielzahl und der Vielfalt von Long-COVID-Symptomen sollte sich der Fokus aus Sicht der DGPPN darauf richten, interdisziplinäre und multiprofessionelle Therapieangebote auf- und auszubauen. Prof. Dr. Meyer-Lindenberg betont: „Die psychiatrische Expertise miteinzubeziehen, ist unerlässlich, um betroffene Menschen optimal versorgen zu können. Insbesondere neuropsychiatrische Symptome, die sehr belastend sind, lassen sich beispielsweise mit psychotherapeutischen, rehabilitativen und medikamentösen Verfahren deutlich reduzieren. Das gilt auch für die sehr häufigen Schlafstörungen.“

 Forschungsinitiativen müssen die neuropsychiatrische Expertise einbeziehen

Um die Entstehung und Behandlung von Long COVID zu erforschen, seien ebenso inter- und transdisziplinär orientierte Forschungsinitiativen gefragt, die die neuropsychiatrische Expertise einbeziehen, ergänzt der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie in seinem Gastbeitrag. „Im Bereich klinischer Studien liegt die Aufgabe darin zu untersuchen, wie medikamentöse und nicht-medikamentöse Interventionen unabhängig voneinander oder in Kombination miteinander für die erfolgreiche Behandlung von Long COVID eingesetzt werden können.“ Hier die Perspektive von Patientinnen und Patienten zu berücksichtigen, sei unentbehrlich.

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