Versorgungsrelevante Indikatoren in der Psychiatrie und Psychosomatik (VIPP)

Die offizielle Begleitforschung zum neuen Entgeltsystem stockt, für andere versorgungsrelevante Fragestellungen, die die stationäre und teilstationäre Versorgung in Deutschland darstellen, liegen wenige Daten vor.

Dies hat die Fachgesellschaften DGPPN und DGKJP (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie) und die Verbände BAG / KJPP (Bundesarbeitsgemeinschaft der leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V.), ackpa (Bundesarbeitsgemeinschaft der Chefärzte und Chefärztinnen der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an Allgemeinkrankenhäusern), die Bundesdirektorenkonferenz (BDK) und die Deutsche Fachgesellschaft Psychiatrische Pflege (DFPP) motiviert, die Projektträgerschaft für das Projekt „Versorgungsrelevante Indikatoren in der Psychiatrie und Psychosomatik“ (VIPP) zu übernehmen.

In diesem Projekt werden verfügbare Routinedaten (sog. §21-Datensatz) vieler kooperierender psychiatrischer, psychosomatischer, psychotherapeutischer und kinder- und jugendpsychiatrischer Fachkrankenhäuser und Abteilungen in eine gemeinsame Datenbank integriert, um sie für die verschiedensten versorgungsrelevanten Fragestellungen zu nutzen.

Der Zuspruch ist groß. Mehr als 80 Fachkrankenhäuser und Abteilungen (Stand 12/2015) mit mehr als 220.000 Behandlungsfällen/Jahr nehmen an dem Projekt teil und drücken damit ihre Unterstützung für das Anliegen der Projektträger aus.

Dieses Vertrauen bringen sie sicherlich auch entgegen, da der Datenschutz höchsten Anforderungen entspricht, sie selbst Zugang zu Auswertungen aus dieser Datenbank haben, erleben, dass sie regelmäßige Rückmeldungen über die Ergebnisse und Erkenntnisse erhalten und wissen, dass mit den Daten ein Gegengewicht zu den Informationen anderer Player des Gesundheitssystems (z. B. Krankenkassen) entsteht.

Grundsätzlich ist es auch möglich, die Daten für eigene Publikationen zu verwenden. Da die teilnehmenden Kliniken und Abteilungen an dieser Stelle höchste Sensibilität erwarten, wurde das Vorgehen für geplante Publikationen verbindlich festgelegt (s. Reiter mit dem Titel „Geplante Publikationen – welche Schritte sind einzuhalten“). Die Projektträger fühlen sich in der Pflicht, geplante Publikationen eng zu begleiten.

Die Koordination des gesamten Projektes erfolgt über eine Steuerungsgruppe, deren Sprecher und stellvertretende Sprecher das VIPP-Projekt im Jahr 2010 initiiert haben.

Mitglieder und Projektgruppe
Mitglieder der Steuerungsgruppe

Frank Godemann (Berlin, Sprecher), Claus Wolff-Menzler (Aachen, stellvertretender Sprecher), Florian Seemüller (München), Oliver Pogarell (München), Roland Nitschke (Mannheim), Michael Löhr (Bielefeld), Hans-Joachim Salize (Mannheim), Iris Tajana Graef-Callies (Wahrendorff)

Vertreter der Projektträger

Peter Falkai (DGPPN), Christian Kieser (ackpa), Martin Driessen (BDK), Renate Schepker (BAG / DGKJP), Bruno Hemkendreis (DFPP)

Beteiligen Sie sich!

Der Datensatz wächst. Beteiligen auch Sie sich! Die folgende Graphik macht deutlich, wie viele Häuser sich schon jetzt beteiligen.

Zur Projektbeschreibung

Geplante Publikationen – welche Schritte sind einzuhalten?

Vierstufiges Procedere zum Umgang von Analysen auf Grundlage des VIPP-Datensatzes

Schritt 1:

  1. Jedes geplante Analyseprojekt wird an Frau Hohe, Referentin von Frau Dr. Hauth – DGPPN schriftlich ausgearbeitet zugesendet (a.hohe@alexianer.de), die das Projekt an die Projektträger (DGPPN, DGKJP, DFPP, ACKPA, BDK) versendet.
  2. Als Vorlage für die Vorstellung der geplanten Analyse dient das Formular „Exposé für VIPP Analysen“ in der Anlage. Besonderes Augenmerk ist auf die Formulierung der Hypothesen zu legen (Null- und Alternativhypothese), damit eine Abschätzung der gesundheitspolitischen Implikationen möglich ist.
  3. Jeder der Projektträger kann Veto zur der geplanten Analyse einlegen. Dieses Veto wird schriftlich begründet, um eine Transparenz zu sichern und dem Antragsteller die Möglichkeit zu geben, sein Analyseprojekt zu überarbeiten. Danach kann einmalig ein modifiziertes Exposé erneut eingereicht werden, dem die Projektträger erneut zustimmen oder dieses per Veto ablehnen müssen, damit würde die Analyse allerdings abschließend abgelehnt werden.
  4. Die Stellungnahme der Projektträger sollte innerhalb von 4 Wochen erfolgen, dann erfolgt eine schriftliche Erinnerung. Wenn dann innerhalb einer weiteren Woche keine Stellungnahme erfolgt, ist dies als Zustimmung zu werten.

Schritt 2:

  1. Die Projektträger müssen aus Ihren Reihen einen Betreuer benennen, der das Analysevorhaben in Ihrem Sinne begleitet und an die Projektträger Rückmeldung gibt und bei der geplanten Publikation mitwirkt. (Co-Autorenschaft). Nachdem ein Betreuer benannt wurde, muss dieser im Umlaufverfahren durch die anderen Projektträger bestätigt werden. Eine Bestätigung bzw. Ablehnung muss innerhalb von 3 Wochen erfolgen, dann erfolgt eine schriftliche Erinnerung. Erfolgt innerhalb einer weiteren Woche keine Rückmeldung, ist dies als Bestätigung zu werten.
  2. Er/Sie sichert ab, dass nicht andere Hypothesen bearbeitet und geprüft werden, als die, die durch die Projektträger genehmigt wurden, insbesondere unter Abschätzung der gesundheitspolitischen Implikationen. Er/sie wird seitens der Forschergruppe zum Thema in die Interpretation der Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen, insbesondere deren gesundheitspolitischer Betrachtung, einbezogen, und orientiert sich dabei an gemeinsamen Stellungnahmen der Projektträger. 

Schritt 3:

  1. Nach Fertigstellung der Analyse soll diese z.B. im Rahmen einer Publikation bei einem wissenschaftlichen Journal eingereicht werden.
  2. Dort durchläuft die Publikation den vorgegebenen Reviewprozess.
  3. Die Autoren haben darauf zu achten, dass die Interessenkonflikte eindeutig und nach einheitlichen Regeln gekennzeichnet sind. Folgende Interessenskonflikte sind im Kontext des VIPP-Projektes zu deklarieren:
    a) Für die/den Betreuer/in (Trägervertreter/in): Frau/Herr XYZ ist Mitglied der Gruppe. Der VIPP-Projektträger und/oder ist von den VIPP-Projektträgern benannt. Er/Sie hat in dieser Funktion die gesundheitspolitischen Interessen der Träger bei der Auswertung der Daten und bei der Abfassung der Publikation zu vertreten.
    b) Mitglieder der Steuerungsgruppe: Herr/Frau XYZ ist Mitglied der VIPP-Steuerungsgruppe.

Schritt 4:

  1. Die Bearbeitung der möglichen Anforderungen der Reviewer aus dem peer-review-prozess des wissenschaftlichen Journals wird durch die Autoren umgesetzt.
  2. Der Co-Autor der Projektträger achtet darauf, ob im Reviewprozess Analysenmodifikationen gefordert werden, die über die ursprünglich genehmigten Hypothesen hinausgehen.
  3. Sollte dies der Fall sein, muss die modifizierte Publikation den Projektträgern zur erneuten Genehmigung vorgelegt werden. 
  4. Bei seitens des Reviewers erwünschten Änderungen der Darstellung und der Ergebnisinterpretation ist der Co-Autor der Projektträger einzubeziehen.
  5. Tritt Punkt 3. oder 4. In Kraft, muss dies in der überarbeiteten Publikation transparent dargestellt werden.

Zum Exposé für VIPP-Analysen

Fragen und Antworten zum Projekt

Möglicherweise haben Sie einige Fragen zum Projekt. Die uns am häufigsten gestellten Fragen haben wir zusammengestellt.

Die Bereitschaftserklärung

Die Teilnahme zum Projekt kann nur starten, wenn Ihre Geschäftsleitung die Zustimmung gegeben hat. Bitte füllen Sie die Bereitschaftserklärung aus und senden diese unterschrieben an die GSG Consulting GmbH (info@gsg-consulting.com).

Die Datenschutzerklärung

Der Datenschutz steht in diesem Projekt an erster Stelle. Daher wurde eine Kooperation mit der GSG Consulting GmbH eingegangen. Zur Datenschutzerklärung

Die Übermittlung der Daten

Wenn Sie die Bereitschaftserklärung unterschrieben haben und die Datenschutzerklärung erfolgte, sollen die Daten einmal pro Jahr übermittelt werden. Dies soll im Mai beziehungsweise Juni des jeweiligen Jahres erfolgen. Zur Beschreibung des Datentransfers

Der Zusatzfragebogen

Ziel des Projektes ist, mehr Informationen als die Krankenkassen zu haben. Dann sind die Zahlen aussagekräftiger. Daher bitten wir Sie einmal im Jahr, diesen Zusatzfragebogen auszufüllen.

Literaur

VIPP Publikationen Abstract-Band
F.Godemann, C. Wolff-Menzler, M. Löhr

Pauschalierendes Entgeltsystem in der Psychiatrie und Psychosomatik
Begleitforschung – quo vadis?

F. Godemann, P. Falkai, I. Hauth, H.-J. Salize, T. Pollmächer, C. Wolff-Menzler; Der Nervenarzt  2013/7:  864-868
Springer Medizin

Welche Zahlen braucht die Psychiatrie?
Leistungscontrolling in der Frühphase des PEPP; F. Godemann, B. Maier, F. Junne, R. Nitschke, C. Wolff-Menzler; KU 1/2013: 52-55

Leistungsdokumentation durch Therapieeinheiten bei stationär behandelten Menschen mit dementieller Erkrankung – erlauben sie Rückschlüsse auf das Leistungsgeschehen? Eine explorative Analyse
M. Löhr, R. Nitschke2, M. Schulz3, A. Wolter4, A. Hennings1, C. Wolff-Menzler5, J. Behrens; Gesundheitswesen 2014
Thieme Verlag

Die Qualität der stationären Versorgung von Menschen mit Depressionen im Alter; Eine Analyse auf Grundlage der VIPP-Datenbank
F. Godemann1, F. Seemüller2, A. Schneider3, C. Wolff-Menzler; Psychiatrische Praxis 2014, 491: (im Druck)

Kontakt

Bei Fragen sind wir für Sie da.

DGPPN-Geschäftsstelle 
Wissenschaftlicher Dienst
Reinhardtstraße 27 B
10117 Berlin

Telefon: 030 2404772-12
sekretariat@dgppn.de

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