9. Hauptstadtsymposium: Die schlaflose Gesellschaft. Kritische Betrachtung einer Hypothese
Moderne Industriegesellschaften, bestrebt sowohl die Arbeitswelt als auch das private Leben möglichst effizient und effektiv zu gestalten, fordern ständige Aktivität und Leistungsbereitschaft. Allein in den letzten 20 Jahren hat dies zu einer Verkürzung der durchschnittlichen Schlafdauer um eine Stunde pro Tag geführt. Gleichzeitig hat die deutliche Zunahme der Schichtarbeit, aber auch die zeitlich unbegrenzte Verfügbarkeit von Freizeitangeboten dazu geführt, dass viele Menschen heute zu unterschiedlichsten Tageszeiten wachen und schlafen. Darunter leidet die Qualität des Schlafes, die auch von der „Inneren Uhr abhängt“, deutlich. Schlaf scheint also immer mehr zu einem disponiblen Gut, zu einer lästigen Pflicht zu werden, die vielleicht irgendwann nicht mehr ein Drittel unseres Lebens raubt, sondern ganz überwindbar erscheint. Andererseits zeigen wissenschaftliche Studien der letzten Jahre ganz eindeutig wie wichtig ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf für unsere psychische und körperliche Gesundheit sind. Ein- und Durchschlafstörungen sind zum Beispiel ursächlich beteiligt an der Entstehung psychischer Erkrankungen, vor allem Depressionen, und es zeigt sich zunehmend, dass Schlafstörungen ganz erheblich die Funktion des Gedächtnisses beeinträchtigen. Darüber hinaus leistet unzureichender Schlaf wahrscheinlich der Entstehung von Übergewicht und Zuckerkrankheit Vorschub, die zu den ganz wesentlichen Ursachen von Herzinfarkten und Schlaganfällen gehören.
Macht uns also der Versuch auf Kosten des Schlafes möglichst immer und überall leistungsfähig zu sein am Ende psychisch und körperlich krank und leistungsunfähig? Diskutieren Sie mit uns die gesundheitlichen Folgen der gesellschaftlich bedingten Veränderungen im Schlaf-Wach-Verhalten. Die Landesärztekammer Berlin hat diese Veranstaltung mit 4 CME-Punkten zertifiziert.
Veranstaltungsdokumentation
Refrent | Vortrag |
|---|---|
Prof. Dr. med. Heinrich Sauer | Einführung und Begrüßung |
Prof. Dr. Thomas Pollmächer | Schlaf in der modernen 24 h Gesellschaft: Wieviel schlafen, wann und wozu? |
Prof. Dr. Dieter Riemann | Schlafstörungen als Risikofaktor für psychische Erkrankungen |
Prof. Dr. Ulrich Voderholzer | Körperliche Folgen gestörten oder unzureichenden Schlafs |
Dr. Dieter Kunz | Psychische Erkrankungen und die „Innere Uhr“ |
Prof. Dr. Klaus Junghanns | Schlaf und Kognition: Lernen wie im Schlaf? |
PD Dr. Michael Grözinger | Behandlung von Schlafstörungen: Weit mehr als nur ein Schlafmittel |