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Neue Expertise „Die Arbeitssituation von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen in Deutschland“

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sind in Deutschland überdurchschnittlich häufig von Arbeitslosigkeit betroffen. Dabei würde sich eine regelmäßige Berufstätigkeit positiv auf den Krankheitsverlauf und die Lebenszufriedenheit auswirken. Die breiten Angebote zur beruflichen Rehabilitation kommen noch nicht ausreichend bei den Betroffenen an. Dies geht aus einer aktuellen Expertise zur Arbeitssituation von schwer psychisch Kranken hervor, welche Gesundheitsstadt Berlin und DGPPN in Auftrag gegeben haben.

Schwere psychische Erkrankungen sind mit erheblichen negativen Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbssituation der Betroffenen verbunden. Obwohl die meisten arbeiten möchten, ist die Arbeitslosigkeit in dieser Bevölkerungsgruppe überdurchschnittlich hoch. Von den Patienten mit einer schizophrenen Störung gehen zum Beispiel europaweit lediglich 10 bis 20 Prozent einer regelmäßigen Erwerbstätigkeit nach, ein beträchtlicher Teil arbeitet unter beschützten Bedingungen. Psychische Erkrankungen sind heute der Hauptgrund für eine frühzeitige Verrentung. Auch junge Erwachsene sind betroffen: Die Diagnose einer schweren psychischen Erkrankung ist oft mit dem Abbruch der Ausbildung verbunden.


Expertise „Die Arbeitssituation von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen in Deutschland“ (PDF, 1,3 MB)

Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt

Schwerpunkt: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt
Bei insgesamt sinkenden krankheitsbedingten Fehlzeiten und Frühberentungen kommt den psychischen Erkrankungen eine immer höhere Relevanz zu. Während die Gesamtanzahl der Arbeitsunfälle in den letzten 50 Jahren um 75% zurückging und auch die Rentenzugänge aufgrund verminderter Erwerbsfähigkeit seit 1993 um insgesamt 34% verringert wurden, stieg der Anteil von Frühberentungen aufgrund psychischer Erkrankungen im selben Zeitraum von 15% auf zuletzt 41%. Eine ähnliche Entwicklung ist bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten zu erkennen. Während die Anzahl an Arbeitsunfähigkeitstagen (AU) zwischen 2000 und 2011 um insgesamt 12,2% zurückging, stiegen die AU-Tage aufgrund von psychischen Erkrankungen um 56%. Angesichts des demografischen Wandels und dem verbreiteten Mangel an qualifizierten Fachkräften ist es ein betriebliches wie auch gesamtgesellschaftliches Anliegen die Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitern zu erhalten. Für den einzelnen Erwerbstätigen hat eine erfüllende und an Fehlbelastungen arme Beschäftigung in der Regel einen stabilisierenden Effekt und fördert das psychische Wohlbefinden.

Studie: Psychosoziale Risiken bei der Arbeit – Gefahren erkennen und Schutz verstärken

Innereuropäischer Vergleich der Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber bezüglich psychischer Belastungen am Arbeitsplatz
Eine aktuelle Studie der DGPPN und der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Freiburg legt in Deutschland großen Nachholbedarf bei der Gefährdungsbeurteilung psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz offen. In vielen europäischen Staaten müssen Arbeitgeber mit deutlich empfindlicheren Sanktionen rechnen, wenn sie der Pflicht der Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz nicht nachgehen. 

Studie: Innereuropäischer Vergleich der Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber bezüglich psychischer Belastungen am Arbeitsplatz (PDF; 564KB)

Studie (Langfassung): Innereuropäischer Vergleich der Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber bezüglich psychischer Belastungen am Arbeitsplatz (PDF; 545KB)

Gemeinsam Gesundheit fördern – Handlungsbereiche vernetzen

Für die DGPPN gilt es zum einen, für Menschen mit psychischen Erkrankungen Beschäftigung zu erhalten und die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Zum anderen sollte Arbeit so beschaffen sein, dass das gesundheitliche Risiko durch Arbeitsbelastungen minimiert wird. Dies gilt insbesondere für psychosoziale Stressfaktoren.  Die Beschäftigten im medizinischen Gesundheits- und Versorgungssystem sind häufig Ansprechpartner für belastete Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsanforderungen nicht gerecht werden und sich wegen Schwierigkeiten am Arbeitsplatz an das Gesundheitssystem wenden.  Dabei handelt es sich bei Burnout-Beschwerden primär um ein Problem der Arbeitswelt. Aus Sicht der Fachgesellschaft ist es kurzsichtig, einen stressbelasteten Arbeitnehmer in der Arztpraxis symptomatisch zu „behandeln“, widrige Arbeitsbedingungen als Mitverursacher der Beschwerden jedoch nicht zu beseitigen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Betriebsärzten mit ihrer Kenntnis der Arbeitsstrukturen und Betriebsabläufe zu. Die Beratung und Unterstützung der Betroffenen sollte deshalb beim Arbeitgeber entsprechend koordiniert werden. Dies sollte im Rahmen einer gestuften Versorgung (Stepped Care) die Diagnostik bei einem Facharzt einschließen. 

Denn ein Burnout-Syndorm ist für sich genommen keine Erkrankung sondern ein Risikozustand für die psychische und physische Gesundheit und muss deshalb ernst genommen und untersucht werden. Länger anhaltende Erschöpfungszustände erhöhen das Risiko, an einer Depression, Angst- oder Suchtstörung, Tinnitus oder Bluthochdruck zu erkranken. Burnout-ähnliche Beschwerden wie verminderte Leistungsfähigkeit können aber auch andere Erkrankungen verdecken. Krankheitssymptome gilt es daher diagnostisch genau abzuklären, um rasch die richtige Therapie und Behandlung der Grunderkrankung zu gewährleisten. So kann Chronifizierung vorgebeugt und den Betroffenen zeitnah die Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglicht werden.

Überblick über die Aktivitäten der DGPPN Task Force "Prävention und Therapie arbeitsbezogener psychischer Störungen"

DGPPN Task Force Prävention und Therapie arbeitsbezogener psychischer Störungen unter der Leitung von Prof. Wolfgang Maier und Prof. Mathias Berger ist mit Experten der psychiatrischen Versorgung, Rehabilitation, Arbeits- und Organisationspsychologie sowie der Betriebsmedizin besetzt. Im Rahmen der TF ist zum Thema Burnout ein DGPPN Positionspapier erarbeitet worden, welches auf dem Hauptstadtsymposium am 7. März vorgestellt wurde. Den Veranstaltungsrückblick finden Sie hier. Das Positionspapier finden Sie hier. Darin ist eine Bewertung des Begriffes „Burnout“ aus fachärztlichen Sicht vorgenommen, um zu informieren und die teils hitzig geführte Diskussion zwischen den Sozialpartnern zu versachlichen und auf die notwendigen Herausforderungen in der Versorgung hinzuweisen. Ihr Engagement setzt die DGPPN kontinuierlich fort und informiert in auf Fachveranstaltungen, in Pressemeldungen und im persönlichen Gespräch Akteure im Gesundheitswesen, im Betrieb und politische Vertreter zum Thema psychische Gesundheit in der Arbeitswelt und machen auf die Handlungsbedarfe aufmerksam.