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07.03.2012
Stellungnahmen 2012

Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zum Thema Burnout

Das Thema Burnout beherrschte jüngst wochen- und monatelang die öffentliche Diskussion. Für die einen ist ein Burnout eine Modediagnose, für die anderen eine ernstzunehmende Erkrankung. In einem Positionspapier klärt die Fachgesellschaft auf und gibt Empfehlungen.


Stellungnahme Nr. 5 / 07.03.2012

Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zum Thema Burnout

Seit mehreren Monaten wird das Thema Burnout intensiv und mit hoher Dynamik in der Öffentlichkeit diskutiert. Es wurde als Titelthema in vielen Zeitschriften aufgegriffen und in öffentlichen Diskussionsrunden thematisiert. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) begrüßt diese Entwicklung nachdrücklich, da mit ihr das noch immer auf psychischen Erkrankungen liegende gesellschaftliche Stigma reduziert wird. Ermutigt durch Prominente, wie z.B. Miriam Meckel, Ralf Rangnick oder Tim Mälzer, die öffentlich über ihre psychischen Krisen berichten, fällt es Betroffenen erkennbar leichter, ohne Scham über ihre eigenen psychischen Probleme und Erkrankungen zu reden.
Die DGPPN sieht jedoch gleichzeitig in der jetzigen Burnout-Diskussion erhebliche Verwirrungen und potenzielle Fehlentwicklungen. Die Spannweite der Diskussion reicht von der völligen Negierung der Relevanz des Burnouts als psychische Erkrankung bis hin zur Warnung vor einer tickenden, bisher übersehenen Zeitbombe. So bedürfen nicht zuletzt folgende weitverbreitete Sichtweisen einer fachlichen Kommentierung:

  • Gleichstellung von Burnout mit jeglicher Form einer psychischen Krise und Erkrankung im zeitlichen Zusammenhang mit einer Arbeitsbelastung
    Damit bleibt das international geltende Klassifikationssystem Psychischer Erkrankungen (ICD-10, F-Gruppe) der Weltgesundheitsorganisation unbeachtet, dass eine solche undifferenzierte Betrachtungsweise nicht zulässt.
  • Gebrauch des Begriffs Burnout ersatzweise für Depressionen von arbeitenden Menschen
    Bei der Berichterstattung in den Medien wird zum Teil eine Krankheits-Definition gefördert, die den Begriff Burnout mit einer Erkrankung der Leistungsträger und der „Starken“ gleichsetzt, den Begriff Depression dagegen mit einer Erkrankung der (anlagebedingt) „Schwachen“ verknüpft. Diese Bewertung trifft nicht zu und bringt zudem die Gefahr einer neuen Stigmatisierung depressiv erkrankter Menschen mit sich.
  • Burnout als primäres Problem des Gesundheitssystems
    Vom Gesundheitssystem wird erwartet, Burnout-Beschwerden und seine gesamtgesellschaftlichen Folgen, wie den Anstieg durch psychische Störungen bedingter Krankschreibungen und Frühberentungen, vorzubeugen und zu beheben. Diesbezüglich sehen wir jedoch primär Sozialpartner und Politik in der Pflicht, der postulierten Überforderung einer steigenden Zahl von Berufstätigen mit negativen Konsequenzen für ihre psychische Gesundheit entgegenzuwirken.

Die DGPPN möchte mit diesem Positionspapier zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen und helfen, bestehende Unzulänglichkeiten und Unsicherheiten zu klären. Diese beziehen sich auf den Umgang mit dem Burnout-Phänomen im Gesundheitssystem, der Arbeitswelt und der Gesellschaft.

Das Positionspapier nimmt auf dem Boden bisheriger empirisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse eine differenzierte Definition von Burnout-Zuständen vor und stellt darauf aufbauend Angaben zu Häufigkeit und Risiken sowie Vorschläge zu Prävention, Therapie und Rehabilitation dar.

Zum Download des Positionspapiers:

stn-2012-03-07-burnout.pdf [1,5 MB]