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23.09.2014

Orientierung für gutes ärztliches Handeln: DGPPN stellt ethische Stellungnahme zu Selbstbestimmung und Zwang vor

Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht: Jeder Mensch hat das Recht, über seine Lebensführung und damit auch über Maßnahmen, die seine Gesundheit betreffen, selbst zu bestimmen. Die selbstbestimmte Entscheidung des Patienten ist dementsprechend eine Grundvoraussetzung für eine gute medizinische Behandlung.

In Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik stellen sich hierbei tiefgreifende Fragen, denn psychische Erkrankungen können in Einzelfällen die Selbstbestimmungsfähigkeit des Patienten einschränken. Wenn der schwer kranke und selbstbestimmungsunfähige Patient sich selbst oder Dritte erheblich gefährdet und in dieser Situation medizinische Maßnahmen ablehnt, geraten die an der psychiatrisch‐psychotherapeutischen Versorgung beteiligten Berufsgruppen in eine schwierige ethische Dilemmasituation: Sollen sie zum Beispiel Patienten mit Suizidplänen ihren Willen lassen? Oder sollen sie dem ärztlichen Auftrag zur Heilung bzw. Gefahrenabwehr nachkommen und eine unfreiwillige Unterbringung prüfen? Sollen Patienten, die keine Einsicht in ihre schwere Erkrankung haben, ohne Hilfe bleiben, wenn sie diese ablehnen?

Zwangsmaßnahmen können nicht nur für die betroffenen Patienten traumatisierend und lebenslang belastend wirken, sie führen auch in der Gesellschaft zu Verunsicherung und zu kontrovers geführten Debatten: Warum steigt zum Beispiel die Anzahl der Zwangseinweisungen in psychiatrische Kliniken in Deutschland an? Sind Fixierungen in Pflegeheimen wirklich notwendig? 

Hinzu kommt, dass ärztliche Maßnahmen ohne Einwilligung im Konflikt mit den Grundrechten der Patienten stehen. Durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofes sowie durch die Reform des Betreuungsgesetzes sind in jüngster Zeit die rechtlichen Rahmenbedingungen weiterentwickelt worden. Ebenso stellt in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention gültiges Recht dar, die in besonderer Weise zum Schutz der Autonomie von Menschen mit Behinderungen verpflichtet.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es einer erweiterten ethischen Orientierung für gutes ärztliches Handeln bedarf. Die DGPPN möchte in dieser wichtigen Diskussion einen Beitrag aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Perspektive leisten und hat deshalb eine ethische Stellungnahme erarbeitet. 

Zur Stellungnahme

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10117 Berlin
Tel.: 030.2404 772-11
E-Mail: pressestelle[at]dgppn.de

 

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DGPPN-Pressemitteilung: Orientierung für gutes ärztliches Handeln: DGPPN stellt ethische Stellungnahme zu Selbstbestimmung und Zwang vor [PDF; 398KB]