11.04.2012
Presse 2012

Eine deutschlandweite Ressource zur Erforschung psychischer Erkrankungen

Ein Mammutprojekt der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) soll Aufschluss über die Entstehung und den Verlauf psychischer Erkrankungen geben.


Verschiedene psychiatrische Forschungszentren innerhalb Deutschlands verfügen bereits über Phänotyp- und Biomaterialsammlungen zu bestimmten psychiatrischen Krankheitsbildern und konnten hiermit schon wesentlich zum weltweiten Fortschritt im Bereich der Erforschung psychischer Störungen beitragen, insbesondere im Hinblick auf biologische Faktoren. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) möchte nun im Rahmen einer nationalen Ressource bereits vorhandene Phänotyp- und Biomaterialsammlungen zusammenführen, neue hinzufügen und um Längsschnitt-Daten ergänzen. Das Projekt wurde im Rahmen eines Auftaktsymposiums am 11. April 2012 in Göttingen vorgestellt.

Das Projekt sieht vor, in den nächsten zehn Jahren wissenschaftlich relevante Daten von 100.000 Patienten mit schizophrenen und affektiven Störungen, Angsterkrankungen, Abhängigkeitserkrankungen und Demenzen zu erfassen. Für dieses Projekt, die „DGPPN-Kohorte“, stehen zum jetzigen Zeitpunkt bereits die Daten von mehr als 6.000 Patienten zur Verfügung. „Eine solche Kohorte ist ein Meilenstein in der psychiatrischen Forschung in Deutschland“, freut sich DGPPN-Präsident Professor Peter Falkai. Vor allem Daten zum Verlauf der Störungen seien im Kontext der bisherigen Forschung bisher eher selten oder nur innerhalb kleiner Stichproben erhoben worden. Doch nur riesige Stichproben ließen verlässliche Aussagen über die Entstehung und den Verlauf von psychischen Erkrankungen zu. Laut Professor Thomas G. Schulze (Universität Göttingen) vom Steuerungsausschuss der DGPPN-Kohorte sei das entscheidende Merkmal dieses Projektes die zugrunde liegende IT-Struktur, die zum einem dem Wissenschaftler einfachste Handhabung und hohe Flexibilität ermögliche und zum anderen höchsten Datenschutzanforderungen genüge. „Wir bauen hier ein  Netzwerk auf, an dem jedes wissenschaftlich tätige Zentrum unabhängig von seiner Größe partizipieren kann, indem es Daten und Biomaterialien zur DGPPN-Kohorte beisteuert“, erläutert Schulze.  Der Schutz jedes einzelnen Patienten, dessen Daten und Biomaterialien in diesem Netzwerk in anonymisierter Form für Forschungszwecke verwendet würden, sei durch ein ausgeklügeltes Medizininformatik-System, welches unter anderem die Verwaltung der Daten durch einen Datentreuhänder beinhalte, an jeder Stelle im Projekt gewährleistet.

Das Projekt soll jedoch nicht nur die biologisch-psychiatrische Forschung voran bringen. Die DGPPN-Kohorte umfasst letztlich umfangreiche Möglichkeiten für die vernetzte Forschung auf allen Gebieten der Psychiatrie, sei es beispielsweise der Epidemiologie, der klinische Forschung oder der psychiatrische Versorgungsforschung.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Peter Falkai
Präsident DGPPN
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Göttingen
von-Siebold-Str. 5
37075 Göttingen
Tel.: 0551-396601
Fax: 0551-3922798
E-Mail: pfalkai[at]gwdg.de

Download:
pm-2012-04-11-kohorte.pdf [27 KB; PDF]


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