23.11.2011
PK2

Rössler: Die Perspektive Therapeut: Was, wenn Psychiater und Psychotherapeuten krank werden?

Statement von Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wulf Rössler, Zürich, im Rahmen des Presse-Hintergrundgesprächs am 23.11.2011 zum Thema "Individualisierte Psychiatrie und Psychotherapie: Bringt uns das weiter?"


Presse-Information 23.11.2011

Individualisierte Psychiatrie und Psychotherapie:
Bringt uns das weiter?

Statement von
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wulf Rössler, Zürich

Die Perspektive Therapeut: Was, wenn Psychiater und Psychotherapeuten krank werden?

Ärzte und Ärztinnen unterliegen zunächst einmal den gleichen Risiken psychisch zu erkranken wie die Allgemeinbevölkerung. Darüber hinaus sind sie aber spezifischen Risiken ausgesetzt, die mit der Ausübung ihres Berufs zu tun haben. So sind Ärzte im Allgemeinen und Psychiater/Psychotherapeuten speziell gefährdet, ein Burnout-Syndrom zu entwickeln. Die Rahmenbedingungen ein Burnout-Syndrom zu entwickeln, gelten zwar prinzipiell für alle Berufe, wobei der Arztberuf eine Häufung dieser Risikofaktoren mit sich bringt.

Allgemein gesagt, steht das Burnout-Syndrom im Zusammenhang mit Stress am Arbeitsplatz. Ganz an der Spitze der Stressoren steht dabei die Arbeitsbelastung, der Zeitdruck, Verantwortungsüberlastung und Konflikte am Arbeitsplatz. Hinzu kommen emotional belastende Situationen mit Patienten und eine sehr hohe direkte Betreuungsfrequenz. Die Herausforderung, zusätzlich den Patienten fortdauernd offen, freundlich, ausgeglichen und verständnisvoll gegenüber zu treten, können die ärztliche Tätigkeit zu einer Gratwanderung werden lassen. Und zuletzt ist es den Ärzten wichtig, ihrer Arbeit einen Sinn zu geben. Die Überhäufung der Ärzte mit administrativen Tätigkeiten, wird von ihnen häufig als sinnlos betrachtet und fördert ebenfalls das Burnout Syndrom.

Eine der Folgen: vermehrter Substanzkonsum, u.a. Alkohol, um mit dem Stress fertig zu werden. Aber nicht alle Facharztgruppen sind dabei dem gleichen Risiko ausgesetzt. Mehr technisch orientierte medizinische Disziplinen sind weniger und mehr dialogorientierte, auf den einzelnen Patienten gerichtete Disziplinen, wie Psychiatrie und Psychotherapie, sind mehr Burnoutgefährdet. In diesem Zusammenhang sprechen wir auch von „High-Touch“ Disziplinen zur Abgrenzung von den „High-Tech“ Disziplinen.

Den genannten Risikofaktoren stehen auch einige vor Burnout schützende Faktoren gegenüber, wenn die organisatorischen Rahmenbedingungen stimmen. Neben einem gerechten Lohn ist das insbesondere Fairness im Umgang mit den ärztlichen Mitarbeitern, Wertschätzung der geleisteten Arbeit, Arbeitsplatzsicherheit und ordentliche Karrierechancen.

Diese Rahmenbedingungen gelten umso mehr für die jungen Ärzte. Die Facharztweiterbildung stellt für die meisten Ärzte eine extrem sensible Phase in ihrer beruflichen Entwicklung dar. Der Übergang von einer in der Regel idealistisch angestrebten Berufsausbildung in den beruflichen Alltag ist für viele Ärzte hart, manchmal zu hart. Um mit den psychischen Belastungen des Arztberufes umgehen zu können, braucht es ein starkes Gefühl des Vertrauens in die eigene Arbeit und Kontrolle über den Arbeitsalltag.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. W. Rössler
Klinikdirektor
Vorsteher des Medizinischen Direktoriums
Psychiatrische Universitätsklinik
Klinik für Soziale Psychiatrie
Militärstrasse 8 / PF 1930
8021 Zürich
Telefon: +41 (0)44 296 74 00
Fax: +41 (0)44 296 74 09
E-Mail: roessler[at]dgsp.uzh.ch

Download:
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