Spendenaktion der deutschen Ärzteschaft

Am 26. November 2010 gedachte die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in einer öffentlichen Veranstaltung zur Psychiatrie im Nationalsozialismus der Opfer nicht zu rechtfertigender Forschung, der Menschen, die zwangssterilisiert wurden, der ermordeten psychisch kranken Menschen und derjenigen Psychiater, die zur Emigration gezwungen worden sind. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft bat in der Veranstaltung alle Opfer und Angehörigen um Entschuldigung für das Unrecht und Leid, welches ihnen von deutschen psychiatrischen Verbänden und von Psychiatern und anderen Ärzten zugefügt wurde.

Neugestaltung Tiergartenstraße 4
Bei der Gedenkveranstaltung hat die DGPPN angekündigt, ein deutliches Zeichen zu setzen: An der Berliner Tiergartenstraße 4 befand sich seit 1940 die Organisationszentrale der nationalsozialistischen Patiententötungen. Die Beratungen im Deutschen Bundestag zur Neugestaltung dieses historischen Ortes haben zu einem fraktionsübergreifenden Entwurf für einen Beschluss des Deutschen Bundestages geführt, dass an dieser Stelle über die hier geplanten Verbrechen angemessen informiert werden soll und der Opfer gedacht werden kann. Obschon es bei den Beratungen nicht möglich gewesen ist, auch eine zusätzliche Dokumentationsstätte am selben Ort einzurichten, setzen sich die Unterzeichner gemeinsam dafür ein, dies zu vermitteln und finanziell zu unterstützen.

Die Erinnerung lebt
Es ist uns wichtig, dass neben dem Ort des Gedenkens ein solcher der wissenschaftlich abgesicherten Dokumentation und Information entsteht, die über die Entstehungsgeschichte der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Aktionen, ihre Einbettung in eine rassenhygienisch aufgeladene Gesundheits- und Bevölkerungspolitik, sowie über die unzureichende juristische und gesellschaftliche Aufarbeitung der Verbrechen kontinuierlich und in geeigneter Form aufklären. Auch soll die weitgehend fehlende bzw. unangemessen geringe Entschädigung der Opfer und ihrer Angehörigen in beiden deutschen Staaten thematisiert und zugleich eine Würdigung der Opfer ermöglicht werden. Nicht zuletzt stellt sich an diesem Ort und mit dieser Arbeit die Frage nach der Situation von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft heute, auch mit Blick auf die gegenwärtigen bio-ethischen Debatten.

Öffentlichkeit schafft Bewußtsein
Aufgabe der Dokumentations- und Informationsarbeit soll sein, die bisherigen Ergebnisse historischer Forschung und die Initiativen zur Aufarbeitung der Psychiatrie im Nationalsozialismus zusammenzuführen. Darauf aufbauend soll eine Ausstellung zur Praxis der Psychiatrie im Nationalsozialismus – und insbesondere zu den Opfern und Tätern der „Aktion T4“ – in Berlin entwickelt und als Wanderausstellung in Europa präsentiert werden. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, angemessen und auf dem aktuellen Stand historischer Forschung über die europäische Dimension der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen, ihre Entstehungsgeschichte und ihre Nachwirkungen zu informieren.

Den Menschen einen Namen geben
Darüber hinaus ist es ein längerfristiges Ziel, in umfassenden, öffentlich zugänglichen Datenbanken die Namen und die Schicksale der Opfer wie die Biografien der Täter von „Euthanasie“, Zwangssterilisation, ungerechtfertigter psychiatrischer Forschung und Zwangsvertreibung in der Zeit des Nationalsozialismus zu dokumentieren. Damit soll zu einer gesellschaftlichen Würdigung und dem Gedenken dieser Opfer des Nationalsozialismus beigetragen werden.

Unterstützung durch Spenden
Um Vorhaben wie die Ausstellung und die Datenbanken zu ermöglichen, ist die DGPPN als wissenschaftliche Fachgesellschaft und vor dem Hintergrund ihrer historischen Verantwortung bereit, einen einmaligen Zuschuss von wenigstens 100.000 Euro zu geben. Zusätzlich hat sich die DGPPN bereit erklärt, eine Stelle für eine wissenschaftliche Mitarbeiterin oder einen wissenschaftlichen Mitarbeiter für eine solche Dokumentations- und Informationsarbeit für die Dauer von zunächst 10 Jahren zu finanzieren. Sie hat dazu diesen Spendenaufruf vorbereitet.

Aufruf der deutschen Ärzteschaft
Die deutschen Ärzte und ihre Verbände unterstützen und tragen gemeinsam diese Initiative. Mit den geplanten Vorhaben sollen Patienten mit psychischen Erkrankungen, die im Nationalsozialismus Opfer wurden, besonders gewürdigt werden. Insbesondere die beiden vom Bund etablierten Stiftungen „Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ und „Stiftung Topographie des Terrors“ sollen durch einen zu etablierenden Beirat der diesen Spendenaufruf tragenden Verbände beauftragt werden, die Ziele des Aufrufs umzusetzen. Wir werden aus der Vergangenheit lernen, damit sich diese schrecklichen Verbrechen nie wiederholen.

Prof. Dr. P. Falkai (Göttingen)
Präsident

Prof. Dr. Dr. F. Schneider (Aachen)
Past Präsident

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)

anzeigenListe der unterstützenden Verbände

Unterstützende Verbände:

  • Aktion Psychisch Kranke e. V. (APK), Peter Weiß, MdB, 1. Vorsitzender, Emmendingen
    www.apk-ev.de/
  • Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP)
    www.agnp.de
  • Arbeitskreis der Chefärztinnen und Chefärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an Allgemeinkrankenhäusern in Deutschland (ACKPA)
    www.ackpa.de
  • Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN)
    www.bvdn.de
  • Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP)
    www.bv-psychiater.de
  • Bundesärztekammer (BÄK)
    www.baek.de
  • Bundesdirektorenkonferenz – Verband leitender Ärztinnen und Ärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie e. V
    www.bdk-deutschland.de
  • Deutsche Gesellschaft für Biologische Psychiatrie (DGBP)
    www.dgbp.eu
  • Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP)
    www.dggpp.de
  • Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Nervenheilkunde (DGGN)
    www.dggn.de
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. v. (DGKJ)
    www.dgkj.de
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (DGKJP)
    www.dgkjp.de
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
    www.dgn.org
  • Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie e. V. (DGNN)
    www.dgnn.de
  • Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e.V. (DGPM)
    www.dgpm.de
  • Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)
    www.dgppn.de
  • Deutsche Gesellschaft für seelische Gesundheit bei Menschen mit geistiger Behinderung e. V. (DGSGB)
    www.dgsgb.de
  • Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP)
    www.psychiatrie.de/dgsp/
  • Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM)
    www.dkpm.de
  • Fachverband Medizingeschichte
    www.fachverband-medizingeschichte.de
  • Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands
    www.hartmannbund.de
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
    www.kbv.de
  • Marburger Bund
    www.marburger-bund.de
  • Ständige Konferenz der Lehrstuhlinhaber Psychiatrie und Psychotherapie an den deutschen Universitäten

Spendenkonto 5252 bei Sal. Oppenheim, BLZ: 37030200, IBAN: DE 82 3703 0200 0000 0052 52, BIC: SOPPDE3KXXX, Stichwort: "Spendenaufruf"

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) ist wegen Förderung wissenschaftlicher Ziele durch Bescheinigung des Finanzamtes für Körperschaften I in Berlin, zuletzt am 3.2.2011 (Steuer Nr. 27/640/57343), als gemeinnützigen Zwecken dienend anerkannt worden. Nach Eingang Ihrer Spende erhalten Sie eine Spendenbescheinigung.

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