Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte der DGPPN
Die Psychiatrie im Nationalsozialismus zählt zu den dunkelsten Kapiteln des Faches. Welche Rolle die psychiatrischen Fachgesellschaften im „Dritten Reich“ gespielt haben, ist kaum aufgearbeitet. Hier sieht sich die DGPPN in der gesellschaftlichen Verantwortung, das Handeln von Wissenschaftlern und Psychiatern während der Zeit des Nationalsozialismus sowie deren Auswirkungen auf die DGPPN so vollständig wie möglich und rückhaltlos zu erforschen.
Ein auf zwei Jahre angelegter und mit 150.000 Euro projektierter Forschungsauftrag soll aufklären. Zu untersuchen gilt es den Zeitraum von 1933 bis 1945. Allerdings sollen auch relevante medizingeschichtliche Ereignisse und Denkströmungen sowie ideengeschichtliche Traditionslinien aus dem breiteren Kontext des 19. und 20. Jahrhunderts reflektiert werden. Die DGPPN hat eine internationale Kommission beauftragt, den Forschungsauftrag auszuschreiben und den Prozess der wissenschaftlichen Aufarbeitung beratend zu begleiten. Die Ergebnisse sollen im Rahmen der kommenden DGPPN-Kongresse der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Zudem ist geplant, eine wissenschaftliche Monografie zum Thema zu erarbeiten. In einem nächsten Schritt soll der Forschungsauftrag auf die Zeit nach 1945 ausgeweitet werden, um die Auswirkungen der Zeit des Nationalsozialismus auf die Psychiatrie im Nachkriegsdeutschland in Ost und West festzustellen.
Die „Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte der DGPPN“ besteht aus vier renommierten Medizinhistorikern. Diese sind in ihren Handlungen frei und unabhängig, also gegenüber der DGPPN nicht weisungsgebunden:
- Volker Roelcke (Vorsitz), Professor und Leiter des Instituts der Geschichte der Medizin an der Justus-Liebig-Universität Giessen
- Carola Sachse, Professorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
- Heinz-Peter Schmiedebach, Professor und Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
- Paul Weindling, Professor in the History of Medicine, School of Arts and Humanities, Oxford Brookes University