26.11.2011
Presse 2011, Personalia

DGPPN erkennt Ehrenmitgliedschaften ab

Die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde bzw. ihrer Vorläufer-organisationen wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung am 24. November 2011 den Professoren Dr. Friedrich Mauz (1900 - 1979) und Dr. Friedrich Panse (1899 - 1973) aberkannt. Mauz und Panse waren in der Zeit des Nationalsozialismus als sogenannte T4-Gutachter an der Selektion von psychisch kranken und behinderten Menschen beteiligt.


Im Jahr 1972 haben die Professoren Dr. Friedrich Mauz und Dr. Friedrich Panse die  Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde (1954-1992) als Vorläuferorganisation der heutigen DGPPN erhalten. Seitdem werden die beiden Namen in der Liste der Ehrenmitglieder der DGPPN und ihrer Vorläuferorganisationen geführt. Diese beiden Ärzte haben nicht nur die so genannte Erbgesundheitspolitik des nationalsozialistischen Regimes in der Zeit zwischen 1933 und 1945 ohne Vorbehalt und mit Nachdruck unterstützt. Sie stellten sich darüber hinaus ab 1940 als Gutachter in den Dienst der „Aktion T4“ und trugen auf diese Weise aktiv zur Selektion der Opfer des Massenmordes an psychisch kranken und geistig behinderten Menschen bei. Aus heutiger Perspektive muss die NS-„Euthanasie“ als Gruppenmord (Genozid) eingestuft werden, d.h. als die mit voller Absicht ins Werk gesetzte, planmäßig durchgeführte, tendenziell vollständige Vernichtung einer von den Tätern definierten Gruppe von Menschen.

Die DGPPN hat deshalb die Aberkennung der Ehrenmitgliedschaften im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung am 24. November 2011 beschlossen. Die Namen Friedrich Mauz und Friedrich Panse werden weiter in der Liste der Ehrenmitglieder der DGPPN und ihrer Vorläuferorganisationen geführt, aber mit ausdrücklichen Hinweisen und Informationen zur Aberkennung der Ehrenmitgliedschaft versehen. „Mit der Aberkennung und besonderen Kennzeichnung der Ehrenmitgliedschaft der DGPPN und deren Vorläuferorganisationen bekennt sich die DGPPN zu der Geschichte ihrer Vorläuferorganisation, werden die verantwortlichen Personen benannt, deren Handeln missbilligt und die Verantwortung für die Zukunft nachdrücklich dokumentiert“, sagt DGPPN Past Präsident Professor Frank Schneider, Aachen.

Neben Mauz und Panse haben viele weitere Psychiater in der damaligen Zeit schweres Unrecht begangen. Es ist Aufgabe der DGPPN, insbesondere auch die Handlungen früherer Ehrenmitglieder und Präsidenten wie des Verbandes selbst weiter wissenschaftlich zu erforschen, zu veröffentlichen und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Dies geschieht mit Hilfe der „Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte der DGPPN“ unter Leitung von Prof. Dr. Volker Roelcke (Gießen).

Die vollständige Beschlussvorlage: aberkennung-ehrenmitgliedschaften.pdf [38 KB]

Kontakt:
Prof. Dr. med. Dr. rer. soc. Frank Schneider
Past President der DGPPN
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Universitätsklinikum Aachen
RWTH Aachen
Pauwelsstraße 30
52074 Aachen
Telefon: 0241-8089633
Fax: 0241-8082401
E-Mail: fschneider[at]ukaachen.de