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13.08.2013
Presse, Presse 2013

Presseworkshop: Der Fall Mollath – öffentliche Wahrnehmung und Realität der forensischen Psychiatrie

Die Berichterstattung über Gustl Mollath hat sich in den letzten Monaten auf die öffentliche Wahrnehmung der Psychiatrie in Deutschland ausgewirkt. Viele Menschen begegnen ihr heute wieder mit Unbehagen und Skepsis.


Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Psychiatrie und Psychotherapie unter den medizinischen Disziplinen eine Sonderstellung hat: Sie übernimmt zusätzlich zu ihrem Heilauftrag für die Gesellschaft auch ordnungspolitische Aufgaben – insbesondere die "Besserung und Sicherung" von Menschen, die aufgrund psychischer Erkrankungen Straftaten verübt haben. Hierfür wurden Kliniken und Abteilungen für forensische Psychiatrie geschaffen (psychiatrischer Maßregelvollzug).
Gerade diese ordnungspolitischen Aufgaben sind jedoch für den Außenstehenden nur schwer nachvollziehbar. Auch in der medialen Berichterstattung wird oftmals die Behandlung von psychisch erkrankten Menschen mit der „Besserung und Sicherung“ von psychisch kranken Straftätern verwechselt. Diese Verwechslung ist schwerwiegend: Im Verlauf eines Jahrs erleidet in Deutschland schätzungsweise jeder dritte Erwachsene eine psychische Erkrankung. Immer mehr dieser Betroffenen suchen professionelle Hilfe im psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgungssystem.
Deshalb lädt die DGPPN Journalistinnen und Journalisten zu einer Informationsveranstaltung mit namhaften juristischen und forensisch-psychiatrischen Expertinnen und Experten ein.

 

11. September 2013, von 10.00 bis 14.00 Uhr,
Konferenzzentrum Beletage der Heinrich-Böll-Stiftung,
Schumannstraße 8, 10117 Berlin


Im Zentrum der Veranstaltung stehen die drängendsten Fragen: Was ist forensische Psychiatrie und Psychotherapie? Unter welchen Voraussetzungen kommt ein Straftäter in den Maßregelvollzug? Wer entscheidet darüber? Welche Aufgabe haben die Gutachter? Welche Qualifikation müssen Gutachter besitzen? Wie wird diese überprüft? Wie sieht die Situation aktuell in Deutschland aus (Zahlen und Daten)? Und wie im Ausland? Wer sind die eingewiesenen Straftäter und an welchen psychischen Erkrankungen leiden sie?
Diskutieren Sie direkt vor Ort mit:

  • Prof. Dr. med. H. Saß
    Vorsitzender der Expertenkommission Recht und Psychiatrie der DGPPN
  • Prof. Dr. med. N. Nedopil
    Institut für Forensische Psychiatrie, LMU München
  • Prof. Dr. med. J. Müller
    Schwerpunktprofessur für Forensische Psychiatrie, Asklepiosklinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Göttingen
  • Dr. med. N. Saimeh
    Ärztliche Direktorin am LWL-Zentrum, Lippstadt
  • M. Welzel
    Referatsleiterin für Rechts- und Vollzugsangelegenheiten im Maßregelvollzug, Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
  • U. Knecht
    Rechtsanwältin, Fachanwältin für Strafrecht, Münster

Die Teilnahme ist kostenlos. Online-Anmeldung bis spätestens 3. September 2013.

Programm

Prof. Dr. med. W. Maier (Präsident der DGPPN):

Grußwort

 

Prof. Dr. med. J. Müller (Schwerpunktprofessur für Forensische Psychiatrie, Asklepiosklinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Göttingen):

„Forensische Psychiatrie und Psychotherapie: Was ist das überhaupt?“

 

Frau M. Welzel (Leiterin der Rechtsabteilung, Abteilung für den Maßregelvollzug, LWL Münster):

"Ab in den "dunklen Psychoknast": Mal eben so rein? Drinnen ohne Ende? Und w[n]ie wieder raus? - Rechtliche Grundlagen des Maßregelvollzugs in Nordrhein-Westfalen"

 

Frau U. Knecht (Rechtsanwältin, Münster):

„Entlassung (un)möglich?! - Verteidigung forensisch-psychiatrischer Untergebrachter“

 

Dr. med. N. Saimeh (Ärztliche Direktorin am LWL-Zentrum):

„Wer wird behandelt? – exemplarische Kasuistiken aus der Forensischen Psychiatrie“

 

Prof. Dr. med. H. Saß (Vorsitzender der Expertenkommission Psychiatrie und Recht bei der DGPPN):

„Prinzipien und Praxis der forensisch-psychiatrischen Begutachtung“

 

Prof. Dr. med. N. Nedopil (Institut für Forensische Psychiatrie, LMU München):

„Forensische Psychiatrie im europäischen Vergleich“