12.11.2012
Presse, Presse 2012

Aktionsbündnis Zeit für psychische Gesundheit

Neues Abrechnungssystem für Psychiatrie – keine Einführung mit der Brechstange!


Anlässlich der vom Bundesministerium für Gesundheit angekündigten Einführung eines neuen Abrechnungssystems in Psychiatrie, Psychotherapie und  Psychosomatik haben Ärzte, Therapeuten, Pflegende, Klinikleitungen, Betroffene und Angehörige ein Aktionsbündnis „Zeit für Psychische Gesundheit“ gegründet. Das Aktionsbündnis hat sich zum Ziel gesetzt, in der Öffentlichkeit für ein sachgerechtes und den Bedürfnissen der Menschen mit psychischen Erkrankungen entsprechendes Finanzierungssystem der psychiatrischen Versorgung zu werben, und den fachlichen Sachverstand in diesem Themengebiet zu bündeln.

Notwendig wurde diese Initiative, weil das Bundesministerium für Gesundheit die Expertise der Fachwelt, der Angehörigen und Betroffenen trotz einhelliger Meinung ignoriert und sich aktuell an-schickt, ein inakzeptables Entgeltsystem für die stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische und psychosomatische Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gegen das dezidierte Votum der Fachleute und der Deutschen Krankenhausgesellschaft per Rechtsverordnung in Kraft zu setzen.

Durch ein den Fallpauschalen (DRG) ähnliches System sollen die Kliniken entgegen der gesetzlichen Vorgaben dazu gedrängt werden, die Patienten – unabhängig von der Schwere ihrer Erkrankung – rasch zu entlassen. Zusätzlich sollen die bisherigen gesetzlichen Vorgaben zur Personalausstattung der Kliniken ersatzlos gestrichen werden. Damit würden zwei Eckpfeiler einer guten Therapie massiv bedroht: Die notwendige Zeit zur Genesung des Patienten einerseits und die Verfügbarkeit von genügend qualifiziertem therapeutischen Personal andererseits.

Das Aktionsbündnis fordert deshalb den Bundesgesundheitsminister auf, die Einführung zunächst für zwei Jahre auszusetzen um in dieser Zeit mit Unterstützung des Bündnisses eine Vergütungssystematik zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Patienten und den gesetzlichen Vorgaben gerecht wird. Eine Einführung des Systems mit der Brechstange werden Therapeuten und Patienten nicht akzeptieren. Dies zeigen mehr als 35.000 Unterschriften, die das Aktionsbündnis in nur 48 Stunden gesammelt hat, und die am heutigen Tage Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr in Berlin übergeben wurden.

Download:
pm-2012-11-12-pressemitteilung aktionsbündnis [97 KB; PDF]
pm-2012-11-08-presseeinladung protestaktion aktionsbündnis [180 KB; PDF]

Schreiben Aktionsbündnis an Minister Bahr [172 KB; PDF]
Schreiben Aktionsbündnis an Bundeskanzlerin Merkel [175 KB; PDF]

 Bilder der Protestaktion und Pressekonferenz finden Sie hier